Ein Bumerang ist ein tückisches Gerät. Wenn man nicht aufpasst, knallt das Ding schmerzhaft auf den eigenen Kopf. Im Falle des Iran heißt das: auf den der Europäer. Deren unnötig undiplomatische Absage an Donald Trump, den USA gegen den Iran zu helfen („nicht unser Krieg“), hat den bekanntermaßen rachsüchtigen Präsidenten nun zu der erwartbaren Antwort veranlasst: „Die Ukraine ist nicht unser Krieg.“ Ob der US-Präsident damit schon den Rückzug aus dem Ukrainekrieg ankündigt, ist wie immer bei Trump unklar. Zu befürchten ist, dass er einen schmutzigen Deal mit Putin anstrebt, der so aussehen könnte: Wenn dieser seine Unterstützung für den Iran aufgibt, lässt Trump im Gegenzug Kiew fallen. Ohne US-Aufklärungsdaten müsste Selenskyj wohl bald die Waffen strecken.
Noch ist es nicht so weit, aber die Drohung steht für alle sichtbar im Raum. Trump gerät im Iran massiv unter Druck, die Inflation in den USA galoppiert, die Zinsen steigen, und wenn das so weitergeht, zwingen die taumelnden Finanzmärkte die US-Regierung zu einem unrühmlichen Ende ihres Kriegs gegen die Mullahs. Und dazu kräht der deutsche Bundespräsident Steinmeier noch triumphierend „völkerrechtswidrig“. Steinmeiers unverhüllte Schadenfreude ist noch dümmer als seine jahrelangen Sympathien für Putins Russland und dem nach der Atombombe gierenden Teheraner Regime mitsamt seinen Vernichtungsfantasien. Richtig ist, dass die Europäer sich diesen Krieg nicht ausgesucht haben. Aber sie haben vitale Interessen: Die Europäer brauchen die USA in der Ukraine auf ihrer Seite. Sie brauchen Öl und Gas aus dem Nahen Osten. Und nuklear bewaffnete Mullahs wären eine tödliche Gefahr für ganz Europa.
Es ist besser, wenn die Europäer jetzt den Schmerz hoher Energiepreise aushalten und sich an die Seite der vom Iran bedrohten Ölmonarchien stellen, als sich später mit der Atombombe in Islamistenhand konfrontiert zu sehen. Da helfen besserwisserische Völkerrechts-Belehrungen nicht weiter. Es ist Zeit, dass die Europäer ihren Urlaub von der Weltpolitik beenden. Und zu einem Arrangement mit den USA im Iran kommen; anders als die wieder mal nur wortmächtigen Deutschen haben Franzosen und Briten die Fähigkeiten, bei der Sicherung der Straße von Hormus zu helfen.GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET