Die Gefahr durch den Islamismus

von Redaktion

Zwischen Influencern und altem Fundamentalismus: Salafisten beten in Berlin. © dpa

Berlin – Ein schwerer Stahlriegel sichert die Wohnungstür von innen, Ralph Ghadban dreht den Schlüssel zweimal im Schloss um. Vor ein paar Jahren hat er die Extra-Sicherung anbringen lassen, nachdem kriminelle arabische Clans ihn mit dem Tod bedroht hatten und er vorübergehend untertauchen musste. Der aus dem Libanon stammende Islamwissenschaftler und Bestsellerautor ist streitbar – und hat sich über die Jahre Feinde gemacht.

Nun steht er im Arbeitszimmer seiner Berliner Altbauwohnung: Die Regale sind bis an die stuckverzierte Decke vollgepackt mit Büchern: Fachliteratur, Marx, Horkheimer. Wegen seiner Thesen zum politischen Islam gilt Ghadban manchen als Hardliner. Er selbst sagt über sich: „Ich bin ein 68er, war ein echter Linker.“ Heute gebe es gar keine richtige Linke mehr in Deutschland, findet Ghadban – nur noch „woke Ideologien“, wie er es formuliert. Das sei ein Kern eines Problems, das ihn derzeit besonders umtreibe, und über das er reden möchte: „Der radikale Islamismus bedroht dieses Land derzeit enorm.“

In der Tat beobachten die Sicherheitsbehörden seit Monaten: Neben der rechtsextremen Szene wächst vor allem die radikale Islamistenszene in Deutschland rasant. Und längst sind es keine kleinen Salafisten-Grüppchen mehr, die an „Lies!“-Ständen in den Innenstädten für eine radikal mittelalterliche Auslegung des Koran werben. Heute ködern Influencer mit zehntausenden Followern in den Sozialen Medien mit schick gemachten Videos vorwiegend junge Menschen. Sie geben vermeintliche Alltagstipps, bieten Teenagern Orientierung – und platzieren nach und nach ihre Propaganda. Bewegungen wie die „Generation Islam“ und ihre Ableger nutzen Plattformen wie TikTok, um radikalislamische Ideologien zu verbreiten. Das Langzeitziel: Der Kampf gegen die „Ungläubigen“ und die Errichtung eines Kalifats.

2024 verzeichnete das Bundeskriminalamt einen deutlichen Anstieg bei der politisch motivierten Kriminalität im Bereich Religion. 1877 Straftaten gab es in diesem Spektrum, gegenüber 1458 im Vorjahr. Einen islamistischen Hintergrund hatten davon 1515 (2023 waren es 990). Neun Anschläge mit mutmaßlich islamistischem Hintergrund gab es seit 2020 – 14 geplante konnte die Polizei vereiteln. Experten sehen die aktuellen Konflikte im Nahen Osten als Beschleuniger von Radikalisierung auch hierzulande. Radikale Influencer missbrauchen das Leid der Kriegsopfer für ihre Propaganda.

Ghadban glaubt: Dass die Botschaften der Islamisten in Deutschland so verfangen, liege auch daran, dass die Politik fundamentalistische Strömungen über Jahrzehnte habe gewähren lassen. Auch durch Staatsverträge etwa mit Verbänden wie Ditib.PETER SIEBEN

Artikel 10 von 11