Huthi-Kämpfer – hier bei einer Kundgebung zur Unterstützung der Palästinenser im Gazastreifen – haben Israel vom Jemen aus angegriffen. © dpa
Islamabad/Teheran/Tel Aviv – Vier Wochen nach Kriegsbeginn setzen Israel und der Iran ihre heftigen gegenseitigen Angriffe fort. Die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete, Raketen seien in einem Wohngebiet südlich von Teheran eingeschlagen, dabei seien zehn Menschen ums Leben gekommen. Das israelische Militär bestätigte Angriffe in der iranischen Hauptstadt sowie anderen Gebieten in dem Land. Ziel sei Infrastruktur des iranischen Machtapparats gewesen, darunter Produktionsstätten von Raketen und Drohnen, hieß es.
Das in den USA ansässige Menschenrechtsnetzwerk HRANA schrieb, die Angriffe der vergangenen Tage auf den Iran seien die stärksten seit Kriegsbeginn gewesen.
Der Iran setzte derweil seine Raketenangriffe auf Israel fort. Ein Angriff galt nach Medienberichten der Wüstenstadt Dimona, die in der Nähe des israelischen Atomreaktors liegt. Auch im Großraum Tel Aviv sowie in Jerusalem gab es Raketenalarm. Auf Israels Norden flogen neben Raketen aus dem Iran erneut auch Geschosse aus dem Libanon. Zudem hatte die Huthi-Miliz im Jemen Israel nach dem Eintritt in den Krieg an der Seite Teherans am Samstag innerhalb kurzer Zeit zweimal angegriffen – mit insgesamt drei Raketen und einer Drohne.
Pakistan lädt zu Gesprächen ein
Derweil kamen auf Einladung Pakistans die Außenminister Saudi-Arabiens, Ägyptens und der Türkei zu zweitägigen Gesprächen nach Islamabad. Sie wollten dort über eine mögliche Deeskalation des Krieges beraten. Pakistan teilt sich eine rund 900 Kilometer lange Grenze mit dem Iran und hat sich seit der Ausweitung des Krieges auf die Golfstaaten als Vermittler für eine mögliche Beendigung des Krieges angeboten. Die Außenminister sollten auch Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif treffen. Dieser hatte nach eigenen Angaben in einem Telefonat mit Irans Präsidenten Massud Peseschkian über Pakistans Bemühungen informiert, mit den USA, befreundeten Golfstaaten und weiteren islamischen Ländern einen Dialog und eine Deeskalation zu erleichtern.
Nach Aussagen von Bundesaußenminister Johann Wadephul gibt es Vorbereitungen für ein direktes Treffen zwischen Vertretern der USA und Irans. „Das soll wohl in der nächsten Zeit recht kurzfristig in Pakistan stattfinden“, sagte er im Deutschlandfunk. Es habe nach seinen Informationen indirekte Kontakte gegeben. Er nannte das „erste Zeichen der Hoffnung, der Zuversicht“.
Der Iran lockerte für pakistanische Schiffe seine Blockade der für die Energieversorgung wichtigen Straße von Hormus. Der Schritt wurde von Beobachtern als vertrauensbildende Maßnahme im Rahmen der Vermittlungen zur Deeskalation im Nahen Osten gesehen.
Weitere US-Marines im Nahen Osten
Die Ankunft weiterer US-Marinekräfte im Nahen Osten hatte Spekulationen über einen zeitnahen Bodeneinsatz angefacht. US-Außenminister Marco Rubio sagte nach den jüngsten G7-Gesprächen zwar, die eigenen Kriegsziele könnten ohne Bodentruppen erreicht werden. Kategorisch ausschließen wollte er deren Einsatz aber nicht.
US-Medienberichten zufolge hat das US-Militär bereits entsprechende Pläne vorbereitet. Sie sollen kombinierte Einsätze von Truppen der regulären Infanterie und Spezialeinheiten vorsehen, jedoch nicht als vollständige Invasion angelegt sein, wie die „Washington Post“ berichtete.
Unterdessen dauern die iranischen Gegenangriffe auch in anderen Ländern der Region an. Mehrere Golfstaaten meldeten erneut Schäden, darunter Angriffe auf ein Metallwerk in Abu Dhabi, bei dem es nach offiziellen Angaben auch mehrere Verletzte gab. Auch Katar, Kuwait und Saudi-Arabien meldeten neue Angriffe.DPA