Der Freund, den wir auslöschen

von Redaktion

Die Wal-Rettung

Wale sind faszinierende Tiere. Hinter ihren Gesängen steckt eines der komplexesten Sprachsysteme der Natur, ihre Intelligenz, gepaart mit dieser unfassbaren Körpergröße, überrascht selbst Forscher immer wieder aufs Neue.

Doch auch wenn die brutale Jagd nach Tran und Walfleisch seit 1986 Geschichte ist: Viele der 91 Walarten sind vom Aussterben bedroht – und Japan, Norwegen und Island machen weiterhin Jagd auf die immer seltener werdenden Riesen. Delfine und Kleinwale sind ohnehin vom Walfang-Moratorium ausgeschlossen.

Vor diesem Hintergrund ist die Begeisterung vieler Menschen für den Buckelwal in der Ostsee auch Ausdruck des schlechten Gewissens. Wir wünschen uns so sehr, dieses eine Individuum zu retten, weil wir für das mögliche Verschwinden der ganzen Spezies verantwortlich sind. Zumal auch das Phänomen, dass sich Wale immer öfter in für sie nicht geeignete Gewässer verirren, von uns Menschen verantwortet ist: Der zunehmende Lärm in den Gewässern durch den durch die Globalisierung gewaltig angeheizten Schiffsverkehr ist schuld daran, dass die empfindlichen Orientierungssysteme der Meeressäuger nicht mehr richtig funktionieren.

Zyniker spotten jetzt voll Wonne über die dummen Leute, die um diesen einen Wal solch einen Trubel veranstalten. Aber hinter der Leidenschaft, mit der so viele Menschen dieses Schicksal verfolgen, lauert die Erkenntnis, dass wir Teil der Natur sind, die wir zerstören. Wenn „Timmy“ zum Botschafter dafür werden kann, generell mehr für den Schutz der bedrohten Meere zu tun, dann soll jeder Medien-Zirkus recht sein.KLAUS.RIMPEL@OVB.NET

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