Genervt von Europa: US-Präsident Donald Trump. © dpa
Washington/Teheran – Donald Trump und die Nato. Das klingt nach einer völlig zerrütteten Ehe. Das Verteidigungsbündnis Nato weigert sich, die USA im Krieg gegen den Iran umfassend zu unterstützen – was den US-Präsidenten erbost. Mit zunehmender Frequenz droht er mit einem Austritt. Es stehe kaum noch zur Debatte, dass die Mitgliedschaft der USA nach dem Ende des Krieges überdacht werden müsse, sagte Trump der britischen Zeitung „The Telegraph“. „Die Nato hat mich nie beeindruckt. Ich wusste schon immer, dass sie ein Papiertiger sind, und Putin weiß das übrigens auch.“ Man werde den „Wert der Nato für unser Land neu prüfen müssen“, sagte auch US-Außenminister Marco Rubio dem Sender Fox News.
Über einen Austritt kann Trump allerdings nicht einfach so entscheiden. Nötig dafür wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Senat – oder ein Gesetz, das von beiden Kammern des Kongresses, also Repräsentantenhaus und Senat, abgesegnet werden müsste. In der Nato werden die Äußerungen von vielen noch relativ gelassen gesehen. Denn ein Austritt brächte wohl auch wirtschaftliche und militärische Nachteile für die USA. Trump würde riskieren, dass sich Europa weiter technologisch emanzipiert und weniger Rüstungsgüter aus den USA kauft. Der US-Industrie könnten so Milliardengeschäfte wegbrechen. Zudem müssten die USA womöglich strategisch wichtige Militärstandorte in Europa schließen.
Auf seiner Online-Plattform Truth Social machte Trump die Bemerkung, der Iran habe um eine Waffenruhe gebeten. Der Iran dementierte das gestern Abend. Die Vereinigten Arabischen Emirate bemühen sich laut „Wall Street Journal“ um eine Koalition mit den USA und anderen Verbündeten, um die für den Welthandel so wichtige Straße von Hormus gewaltsam zu öffnen. Emiratische Diplomaten hätten die USA und die Militärmächte in Europa und Asien dazu dringend aufgefordert, so ein Vertreter des Landes. Trump selbst hatte erklärt, sich nach dem Ende der US-Angriffe nicht weiter um die Straße von Hormus kümmern zu wollen. Das müssten dann die Staaten tun, die sie nutzen wollen. Vor allem für China ist die Straße bedeutsam.WHA/DPA