Vor einem Jahr starb Papst Franziskus am Ostermontag um 7.35 Uhr in seiner Wohnung im Gästehaus St. Martha. Tags zuvor hatte er sich unter Aufbietung seiner letzten Kräfte noch einmal im Papamobil über den Petersplatz fahren lassen.
Ein Jahr später ist nun in der katholischen und der politischen Welt noch immer vieles unklar. Franziskus‘ Nachfolger Leo hat sich noch nicht aus der Deckung gewagt. Ist er nun ein Reformer oder versteht er sich als Bewahrer und Vermittler? Eines dürfte klar sein: Während die Reformgegner offen vor einem Bruch innerhalb der katholischen Kirche warnen, würde sich die Trennung der enttäuschten Gläubigen eher im Verborgenen vollziehen, wenn sich nach Jahren der Diskussionen mit Synodalem Weg und Weltsynode kaum etwas ändert. Die Zahl der Katholiken in Deutschland und vielleicht auch in anderen europäischen Ländern würde noch stärker sinken, wenn alles beim Alten bliebe.
Es hat sich in das kollektive Gedächtnis der Katholiken in Deutschland eingebrannt, dass sich trotz des II. Vatikanischen Konzils (1962–1965) und der Würzburger Synode (1971–1975) in den Fragen des Amtes, der Mitwirkung der Laien und des Umgangs mit den Frauen nicht viel getan hat. Der Berg kreißte und gebar eine Maus. Die Kleriker wollen unter sich bleiben.
Wenn nicht einmal das Drama des Missbrauchsskandals und die Erkenntnis darüber, dass es in der Institution Kirche Strukturen gibt, die die Vertuschung dieser Verbrechen begünstigt haben, zu notwendigen Veränderungen führen, dann braucht es vielleicht wirklich einen fundamentalen Einschnitt.
Ostern ist das Fest der Hoffnung und der Auferstehung. Die Kirche muss sich immer am Wort Gottes messen und erneuern. „Ecclesia semper reformanda“ lautet der lateinische Leitsatz, die Kirche ist immer reformbedürftig. Ob sie das im 21. Jahrhundert schafft?CLAUDIA.MOELLERS@OVB.NET