München – Das Rentenalter steigt nach offiziellen Daten derzeit schneller als die Lebenserwartung. Laut Statistik hatten 65-Jährige zuletzt Aussicht auf weitere 19,4 Lebensjahre. Dieser Mittelwert der Jahre 2022 bis 2024 lag nach einigen Schwankungen auf demselben Niveau wie zehn Jahre zuvor. Das gesetzliche Alter für eine abschlagsfreie Rente wurde hingegen seit 2012 schrittweise um mehr als ein Jahr angehoben. Der tatsächliche Rentenstart verschob sich im Schnitt um 1,3 Jahre nach hinten.
Die Linken-Abgeordnete Sarah Vollath hatte die Anfrage zu diesen Zahlen an die Bundesregierung gestellt, um Rufe aus der Regierung nach einer weiteren Erhöhung des Rentenalters zu kontern. So hatte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erklärt, „dass wir angesichts einer höheren Lebenserwartung länger arbeiten müssen“.
Vollath hält dem entgegen: „Das stimmt einfach nicht.“ Aus der Antwort der Regierung auf ihre Anfrage schließt sie: „Die Lebenserwartung stagniert. Gleichzeitig steigt die Regelaltersgrenze schon jetzt immer weiter an.“
Das gesetzliche Rentenalter wird bis 2030 in kleinen Schritten von 65 auf 67 Jahre erhöht, also um zwei Jahre. Die bis 2030 hochgerechnete Lebenserwartung wächst laut Antwort der Regierung aber im Mittel nur um ein Jahr für Männer und acht Monate für Frauen.
Blickt man allerdings auf die letzten 40 Jahre zurück, hat sich „die verbleibende Lebenszeit 65-Jähriger für beide Geschlechter um etwa fünf Jahre erhöht“, so das Statistische Bundesamt. Dadurch hat sich auch die Länge des Rentenbezugs erhöht: Er liegt nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung bei Männern bei 18,8 Jahren und bei Frauen bei 22,1 Jahren. 1973 waren es noch 10,6 Jahre bei Männern und 13,6 Jahre bei Frauen. Aber die neuen Zahlen zeigen, dass sich dieser Trend nicht einfach in die Zukunft hochrechnen lässt.