KOMMENTARE

Die CSU braucht eine neue Statik

von Redaktion

Aufarbeitung der Kommunalwahl

Zwei Wochen sind nun seit dem schwachen Abschneiden der CSU bei den Stichwahlen der Kommunalwahl vergangen. Die Aufarbeitung war ebenso kurz wie unzureichend. Die Landtagsfraktion, früher mal als Herzkammer der Partei bezeichnet, ging in die Sommerferien, der Parteivorsitzende auf US-Tour. Weiter, immer weiter. Mehr als bei anderen Reisen bemühte sich Markus Söder zwar um Substanz. Aber daheim kamen vor allem die Bilder mit Cowboyhut an. Nicht überall gut.

Es ist etwas ins Rutschen geraten, die Statik der Partei scheint sich zu verändern. Jahrelang trug Söder sie allein. Er gab die Richtung vor, beanspruchte das ganze Scheinwerferlicht, Kritik erstickte er im Keim. Karrieren wurden nur in Söders Windschatten gemacht. Die Folge: Man richtete sich ein – mit ihm, hinter ihm. Entsprechend blass bleibt die Ministerriege. Nun, nach acht Jahren, scheint sich dieses System abgenutzt zu haben.

Man sieht es in der Reformdebatte, die das Land umtreibt. Wo sind die Fachpolitiker die eigene Vorschläge machen? Ein Wirtschaftsflügel, der zu mehr Mut drängt, aber auch Sozialpolitiker, die entsprechend mahnen? Es kommt wenig. Und das bisschen verhallt ungehört. Selbst die Junge Union agiert in der CDU deutlich mutiger. Für eine Volkspartei ist das in historisch schwieriger Zeit zu wenig.

Vor zwei Wochen hat die allgemeine Lust am Umsturz gleich mehrere Amtsinhaber vom Thron gestoßen, die das nicht für möglich gehalten hatten. Prominentestes Opfer: der Münchner Oberbürgermeister. Auch gegen den Ministerpräsidenten haben sich im Lauf der Jahre viele offene Rechnungen angesammelt. Trotzdem: Noch ist eine „Söderdämmerung“ eher das Wunschdenken von notorischen Kritikern, auch mangels Alternativen.

Aber ein Stück weit müssen sich die Partei und ihr Chef schon neu erfinden, breiter aufstellen, inhaltlich wie personell. Söder, in früheren Zeiten ein Meister in dieser Kunst, könnte so seine Macht mit Blick auf die Landtagswahl 2028 festigen. Und für die CSU wäre das wichtig, wenn sie nicht irgendwann mal ohne ihr altes Machtzentrum völlig blank dastehen will.MIKE.SCHIER@OVB.NET

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