Menschen wählen keine Parteiprogramme, sondern Menschen. Und sie mögen Typen mit Ecken und Kanten, die sich auch mal was trauen. Deshalb ist der im liberal-konservativen FDP-Flügel beheimatete Wolfgang Kubicki, ein freier Geist im besten Sinne, der Richtige für die Liberalen – und wohl auch der Einzige, der noch die Kraft hat, die Partei vor dem Untergang zu bewahren.
Nach dem Rückzug von Christian Lindner sind die Liberalen quasi unsichtbar geworden. Und sein blasser Nachfolger Christian Dürr hat das Fragezeichen, wofür die FDP stehen soll, nachgerade verkörpert. Kubicki ist anders, man könnte ihn eine Rampensau nennen. Jedenfalls dürfte es ihm nicht schwerfallen, neues mediales Interesse an der FDP zu wecken. Das ist existenziell wichtig, erst recht, weil die Partei nur noch in wenigen Landesparlamenten und einer Regierung sitzt.
Es wäre ein Fehler, würde sich das kleine Häuflein der übrig gebliebenen Liberalen vor dem Parteitag Ende Mai jetzt noch in einen Richtungsstreit stürzen. Die Parteinahme von Marie-Agnes Strack-Zimmermann für den NRW-Mann Henning Höne lässt solches befürchten. Ihr auf Kubickis Alter von 74 Jahren zielendes Argument, die FDP müsse von „einer neuen Generation in die Zukunft geführt werden“, sticht nicht. Erstens braucht, wer erst mal tot ist, sich nicht mehr den Kopf über künftige Generationen zu zerbrechen. Zweitens tritt Kubicki im Team mit dem 44-jährigen Bayern Martin Hagen an, ein kluger Kopf und scharfzüngiger Debattenredner, der das Zeug hat, die Partei in ein paar Jahren selbst zu übernehmen.GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET