Papst Leo XIV. spricht am Petersplatz. © Vatican Media/kna
Vatikanstadt – Papst Leo XIV. hat bei seinem ersten Osterfest den traditionellen Segen „Urbi et Orbi“ mit einem Appell zu weltweitem Frieden verbunden. Vor mehreren zehntausend Menschen auf dem Petersplatz rief das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken dazu auf, Konflikte durch Dialog zu lösen. „Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden!“ Zugleich mahnte er, angesichts der vielen aktuellen Kriege nicht in Gleichgültigkeit zu verfallen.
Die Feier stand in starkem Kontrast zum Ostersonntag des vergangenen Jahres. Zum Abschluss ließ sich Leo mit dem Papamobil über den Petersplatz fahren. Stehend winkte der 70-Jährige fröhlich den Gläubigen zu. Immer wieder hielt er an, um kleine Kinder zu segnen. Vor einem Jahr hatte sein Vorgänger Franziskus den Segen Urbi et Orbi (Der Stadt und dem Erdkreis) gar nicht mehr selbst sprechen können. Am Morgen danach starb er mit 88 Jahren.
An diesem Ostern nun nahmen unter strahlend blauem Himmel mehr als 40.000 Menschen an der Messe auf dem Petersplatz teil. Die Feier wurde in viele Länder live übertragen. Von der zentralen Loggia des Petersdoms mahnte Leo mit Nachdruck: „Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder! Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden! Nicht für einen Frieden, der mit Gewalt erzwungen wird, sondern durch Dialog!“
Zugleich warnte der erste Pontifex aus den USA davor, angesichts der vielen Konflikte in Gleichgültigkeit zu verfallen. „Wir sind gerade dabei, uns an die Gewalt zu gewöhnen“, kritisierte er. „Gleichgültig gegenüber dem Tod tausender Menschen. Gleichgültig gegenüber den Folgen von Hass und Spaltung, welche die Konflikte nach sich ziehen. Gleichgültig gegenüber den wirtschaftlichen und sozialen Folgen, die sie verursachen und die wir doch alle spüren.“ Leo ging jedoch nicht konkret auf einzelne Konflikte ein. Er nannte auch keinen der verschiedenen Beteiligten beim Namen, was sich manche erhofft hatten. Für einen Papst wären solche öffentlichen Äußerungen allerdings auch sehr ungewöhnlich. In seiner Predigt kritisierte er zudem eine „Unterdrückung der Schwächsten“ sowie „Profitgier, die die Ressourcen der Erde plündert“.
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat eine starke Botschaft zum Osterfest an die Adresse derer gesendet, die Krieg führen. Den Missbrauch von Religion zur Rechtfertigung von Gewalt und Krieg kritisierte er mit deutlichen Worten. Äußerungen von US-Pentagonchef Pete Hegseth, der dafür gebetet hatte, jede Kugel möge ihr Ziel treffen, seien eine „schamlose Gotteslästerung“. Ebenso geißelte Marx Rechtfertigungen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine durch den russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill.