Überlebt FDP das Sturmtief?

von Redaktion

Alte „Schlachtrösser“ der FDP: Wolfgang Kubicki und Marie-Agnes Strack-Zimmermann. © Bernd Weißbrod/dpa

Berlin/München – In einem regelrechten Frühlingssturm wird die FDP seit dem Osterwochenende durcheinandergewirbelt: Mit der Ankündigung des 74-jährigen Partei-Vize Wolfgang Kubicki, nach einer bitteren Serie von Wahlniederlagen die Parteispitze erobern und die FDP aus der Existenzkrise führen zu wollen, war es vorbei mit der Feiertagsruhe unter den Liberalen.

Die Nachricht auf der Plattform X von Samstagnacht schlug ein wie ein Blitz. Der amtierende Parteichef Christian Dürr, der sich am 16./17. Mai zur Wiederwahl stellen wollte, verzichtet. Trotzdem sieht es nach einer Kampfkandidatur aus. Der nordrhein-westfälische Partei- und Fraktionschef Henning Höne bekräftigte am Ostersonntag, dass er ebenfalls antritt.

Kubicki, seit mehr als 50 Jahren in der FDP, hatte schon einmal seinen Rückzug aus der Politik angekündigt, als die Liberalen 2025 aus dem Bundestag flogen. Dann entschied er sich um. Damals sagte er mit Blick auf den Parteivorsitz: „Dass ich nicht die Zukunft der Partei bin, das weiß ich selbst.“ Doch auch dies sieht er jetzt anders: „Ich kandidiere“, schrieb Kubicki bei X. Er werde den Delegierten in Berlin „ein Angebot machen, bei dem sie sicher sein können: Ich werde alles tun, die Partei wieder erfolgreich zu machen“, sagte der 74-Jährige. Generalsekretär soll nach Informationen der „Bild am Sonntag“ der bayerische FDP-Politiker Martin Hagen werden. „Ich will eine Partei, die mit neuem Selbstbewusstsein die politischen Debatten in diesem Land anführt, statt ihnen hinterherzulaufen“, so Kubicki.

Doch dem polarisierenden Rechtsanwalt aus Braunschweig bläst heftiger Gegenwind entgegen. „Die FDP muss von einer neuen Generation in die Zukunft geführt werden, nicht nur von alten Schlachtrössern“, erklärte die Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann. „Natürlich müssen Persönlichkeiten wie Wolfgang Kubicki und ich unsere Bekanntheit und mediale Aufmerksamkeit in den Dienst der Neuaufstellung der Partei stellen. Aber gemeinsam mit der neuen Generation und nicht, indem wir ihr an der Spitze allein im Weg stehen.“

Und die 68-jährige Politikerin, die selber zunächst Ambitionen auf das Amt der Parteivorsitzenden in einer Doppelspitze angekündigt hatte, stellte klar: „Jetzt ist nicht die Zeit für persönliche Eitelkeiten oder späte Selbstvergewisserung, nur weil dafür Raum entsteht.“

Der weitere Kandidat für den Vorsitz der taumelnden Liberalen, Henning Höne, gibt nicht auf. Der FDP-Landesvorsitzende aus Nordrhein-Westfalen ist in etwa halb so alt und vielleicht auch nur halb so bekannt wie Kubicki, gibt aber nicht klein bei. Der 39-Jährige bekräftigt: „Mein Angebot an die Partei bleibt bestehen: Die FDP braucht einen Neustart.“ Er freue sich auf den Wettbewerb mit Kubicki. In der FDP steht derzeit alles auf dem Prüfstand. Der FDP-Chef in Baden-Württemberg, Hans-Ulrich Rülke, fordert einen radikalen Neuanfang. „Es darf hier keine Denkverbote geben. Bis hin zu einem neuen Parteinamen.“CM (MIT DPA)

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