Was folgt auf Trumps Drohung?

von Redaktion

Ersthelfer inspizieren vor einigen Tagen ein Wohnhaus in Teheran nach einem Angriff. © Salemi/dpa

Wie ist die Infrastruktur im Iran?

Der Iran verfügt trotz harter internationaler Sanktionen über eine vergleichsweise gut ausgebaute und moderne Infrastruktur. Vieles davon ist staatlich organisiert und wurde in den vergangenen Jahrzehnten teils mit chinesischer Unterstützung weiterentwickelt. Das Land mit seinen rund 90 Millionen Einwohnern und einer Fläche etwa viermal so groß wie Deutschland verbindet große Metropolräume wie Teheran, Isfahan oder Maschhad mit weitläufigen, schwer zugänglichen Regionen. Auf dem Land wird die Infrastruktur deutlich dünner. Das Schienennetz verbindet die wichtigsten Städte und wird seit Jahren ausgebaut. Der Luftverkehr leidet unter den Sanktionen, viele Flugzeuge sind alt, Ersatzteile knapp.

Der Iran gehört zu den größten Öl- und Gasproduzenten weltweit und betreibt ein dichtes Netz aus Kraftwerken, darunter große Gaskraftwerke wie in Damawand bei Teheran sowie zahlreiche Staudämme. Diese Anlagen sichern die Versorgung, sind aber zugleich empfindliche Ziele.

Wie ist die Stimmung in der Bevölkerung im Iran?

Trump hatte bereits vergangene Woche gedroht, die Iraner mit heftigen Angriffen zurück in die Steinzeit zu versetzen – „wo sie hingehören“, wie er sagte. Bei vielen Menschen im Land, auch Regierungsgegnern, löste dies große Empörung aus. Heute überwiegen Sorgen und Fassungslosigkeit. Behsad, ein Taxifahrer, lebt nun in täglicher Angst. Seine anfängliche Euphorie über die Schwächung der politischen Führung ist der Ernüchterung über Trump gewichen. „Eins werde ich ihm nie verzeihen. Ich habe jetzt so eine Angst vor Brücken und fahre bis auf Weiteres über keine einzige mehr, selbst wenn das einen Umweg von 100 Kilometern bedeutet.“ Ähnlich äußert sich Mostafa, ein etwa 70 Jahre alter Rentner. „Wir sind Herrn Trump ja dankbar, dass er den Sturz des Regimes wollte“, sagt der Mann, der früher als Buchhalter im Ölministerium gearbeitet hat. „Aber derzeit trifft es eher uns. Er hat uns zu Flüchtlingen im eigenen Land gemacht.“

Ist so ein massiver Schlag überhaupt möglich?

Russland ist es mit seinen dauerhaften Angriffen auf die Energieinfrastruktur der Ukraine nicht gelungen, das Land in den Blackout zu bomben. Militärexperten erklären aber, dass der Iran sich in einer anderen Situation befindet. Die iranischen Streitkräfte haben die Lufthoheit über das eigene Staatsgebiet weitgehend verloren und sind der israelisch-amerikanischen Übermacht stärker ausgeliefert, auch wenn sie ihrerseits noch schmerzhafte Gegenangriffe führen können.

Was wären militärische Folgen?

Militärisch hätte ein Angriff auf Irans Energie- und Wasserinfrastruktur nach Einschätzung des Energieexperten Joseph Webster von der US-Denkfabrik Atlantic Council nur geringe Auswirkungen. Während die Zivilbevölkerung ohne Stromnetz, Wasserinfrastruktur und Raffinerien großen Gefahren ausgesetzt wäre, hätte das Militär „kaum direkte Einbuße“ zu erwarten. Das Militär nutzt vor allem Mitteldestillate wie Diesel, der sich gut lagern lässt. „Die iranischen Streitkräfte werden mit ziemlicher Sicherheit weiterhin reichlich Zugang zu Diesel für militärische Operationen haben und in der Lage sein, weiterzukämpfen“, so der Experte.

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