Im Iran hat auch Deutschland verloren

von Redaktion

Der Krieg und die Folgen

Am Ende half nur noch die Methode Wahnsinn. So irre Trumps Drohung mit der zivilisatorischen Auslöschung des Iran auch klang, so hielten anscheinend sogar die hart gesottenen Mullahs den US-Präsidenten für verrückt genug, sie auch umzusetzen. Trumps (selbst)zerstörerisches Ultimatum ist seit gestern früh erst mal aus der Welt, worüber niemand mehr erleichtert sein dürfte als dessen Urheber selbst. Und so schlecht sind die Aussichten nicht, dass nach der jetzt verkündeten 14-tägigen Waffenruhe der Krieg tatsächlich endet: Weder das um seine Existenz kämpfende Teheraner Regime noch Trump, der sein Blatt zu überreizen drohte, dürfte irgend ein Interesse daran haben, dass das Bomben hernach weitergeht.

Das ist zuallererst für die Menschen im Iran eine gute Nachricht, auch wenn sich die Hoffnung auf Freiheit und ein Ende des Regimes so schnell nicht erfüllt. All diejenigen in Europa, die es schon immer besser wissen wollten als Amerikaner und Israelis und jetzt triumphieren, sollten dennoch vorsichtig sein. Ja, es gibt nach diesem Krieg keinen Regimewechsel, doch war dies nie das vorrangige, da nur unter Einsatz von Bodentruppen erreichbare Ziel. Dafür ist es wohl gelungen, die tickende Zeitbombe Iran fürs Erste zu entschärfen. Irans militärische Fähigkeiten sind geschwächt. Es gab und gibt keinen schlimmeren Albtraum für Europa und den Nahen Osten als ein Mullah-Regime am Atomknopf und einen atomaren Wettlauf in der Region. Deswegen drangen hinter den Kulissen auch Länder wie Saudi-Arabien in Washington auf maximale Härte gegen Teheran. Man muss die Ergebnisse der Verhandlungen abwarten, doch zumindest diese Gefahr dürfte nun eingedämmt sein – im besten Fall bis zu einer Zeit, in der dort moderatere Kräfte herrschen, die nicht mehr von der Auslöschung Israels und der Dominierung der arabischen Nachbarn träumen. Ausgeschlossen ist das nicht.

Wie weit Trumps Methode am Ende trägt, wird sich weisen müssen. Gewissheit aber herrschte schon vorher, dass Europas jahrzehntelange Appeasement-Politik gegenüber den sich immer aggressiver gebärdenden Terror-Sponsoren in Teheran gescheitert war, da kann der deutsche Bundespräsident als Mitarchitekt dieser Politik noch so oft „völkerrechtswidrig“ rufen. Europa darf sich als Gewinner und Verlierer dieses 39-Tage-Krieges fühlen. Israelis und Amerikaner haben die, wie Kanzler Merz es mal nannte, „Drecksarbeit“ erledigt und einen weiteren nuklearen Erpresser neben Putin vorerst ausgeschaltet. Doch ist die Nato einen weiteren Schritt auf den Abgrund zugegangen. Trump wird sich das unnötig brüske „nicht unser Krieg“ der Deutschen merken. Und die zur Verteidigung ihrer Sicherheit unfähigen Europäer werden feststellen, dass ihr Blatt noch bescheidener ist als das von Trump im Iran.GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET

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