Donald Trump ist enttäuscht von der Nato, weil sie ihm bei seinem undurchdachten Angriffskrieg auf den Iran nicht unterstützt habe. Damit beweist der US-Präsident einmal mehr, dass ihm Verträge völlig egal sind. Denn laut Nato-Statuten eilen die Bündnispartner im Verteidigungsfall zur Hilfe – und selbst die US-Geheimdienste haben die (kurzzeitige) Trump-Behauptung abgestritten, der Iran sei kurz vor einem Angriff auf die USA gestanden. Der Iran ist also kein Verteidigungsfall, und deshalb laufen die Vorwürfe aus dem Weißen Haus ins Leere. Das sollte als Replik auf die Trump-Tiraden gegen Mark Rutte eigentlich genügen.
Da aber bekanntermaßen Argumente im Umgang mit dem wichtigsten Nato-Staat nicht mehr zählen, soll der Nato-Generalsekretär einen Beschwichtigungs-Deal angeboten haben: Die europäischen Nato-Partner helfen bei der Marinemission zur Sicherung des Schiffsverkehrs im Persischen Golf. Im Gegenzug findet Trump dafür die Nato vorübergehend wieder gut.
Das ist ein Deal, ganz nach Art des US-Präsidenten: Er baut maximalen Druck auf, dann kuschen die anderen schon. Dabei hätte Washington in der guten alten Welt der westlichen Wertegemeinschaft eine derartige, ja durchaus vernünftige Unterstützung der europäischen Partner auch ohne Droh-Szenarien bekommen.
Leider ist es inzwischen egal, wie Rutte, Merz und Co. die Nato noch retten wollen: Im Kern ist das Bündnis schon tot. Denn es lebt vom Vertrauen darauf, dass die Partner sich im Ernstfall aufeinander verlassen können. Trump hat dieses gegenseitige Vertrauen zertrümmert. Wenn Putin die Nato durch eine Attacke auf einen Mitgliedsstaat wie Estland testen sollte, gibt es längst keine Gewissheit mehr, dass die Trump-USA dann ihrer Beistandsverpflichtung nachkommen würden.
Trotzdem: Auch Trump braucht die Nato, die USA brauchen ihre Stützpunkte in Deutschland oder der Türkei gerade jetzt, angesichts des Nahost-Krieges. Deshalb kann er das Bündnis trotz aller Drohgebärden nicht ganz aufgeben. Vielleicht überlebt die Nato diesen US-Präsidenten so wenigstens formal. Aber EU und Kanada wissen: Auch nach MAGA wird es nicht mehr, wie es war. Die Rest-Nato braucht Strukturen, die auch ohne USA funktionieren.KLAUS.RIMPEL@OVB.NET