Leo XIV. ist der erste aus den USA stammende Papst. © KNA
München – Leo XIV. ist kein Mann der scharfen Rhetorik. Der erste US-Amerikaner auf dem Papstthron hat sich in seinem ersten Amtsjahr als ein nachdenklicher, zuhörender Mann präsentiert, der Brücken bauen und Spaltungen überwinden will. An seinem ersten Osterfest in seinem Pontifikat formulierte er deutliche Friedensappelle – aber ohne Ross und Reiter zu nennen. So, wie es der zurückhaltenden päpstlichen Diplomatie entspricht.
Doch der Präsident seines Heimatlandes USA hat den Pontifex jetzt geradezu dazu gezwungen, deutlicher zu werden. Als Donald Trump vor Ablauf des Waffenstillstands dem Iran mit der Auslöschung der „gesamten Zivilisation“ gedroht hatte, wurde Leo am Dienstagabend ungewohnt deutlich. „Heute gab es diese Drohungen gegen das ganze Volk des Iran, und das ist wirklich inakzeptabel“, sagte der Papst vor Journalisten. „Es geht sicherlich um Fragen des Völkerrechts, aber noch viel mehr als das ist es eine moralische Frage.“ Angriffe auf zivile Infrastruktur widersprächen dem Völkerrecht, fuhr Leo XIV. fort und forderte die Beteiligten auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Das alles geschah, bevor dann in der folgenden Nacht in letzter Sekunde doch eine zweiwöchige Waffenruhe ausgerufen wurde.
Dass Trump und Mitglieder seiner Regierung sich als eine Art „heilige Krieger“ darstellen und Gott als Unterstützer ihrer Politik anrufen, stößt in der katholischen Kirche auf immer stärkeren Widerstand. Ebenso wie die Vulgär-Rhetorik des Präsidenten, die darin gipfelte, die Menschen im Iran als „verrückte Bastarde“ und „Tiere“ zu bezeichnen.
Dagegen ruft der Papst die Gläubigen auf, „mit ihren Abgeordneten, mit den Verantwortlichen, zu sprechen und zu sagen, dass wir nicht den Krieg wollen, sondern den Frieden“. Man müsse den Krieg ablehnen, „speziell einen Krieg, von dem viele gesagt haben, dass er ein ungerechter Krieg sei, der weiter eskaliert und der nichts löst“, sagte Leo, bevor die Waffenruhe vereinbart worden war. „Wir haben jetzt eine weltweite Wirtschaftskrise, eine Energiekrise und eine ausgesprochen instabile Lage im Nahen Osten, die nur Hass in der ganzen Welt hervorruft. Darum kehrt zurück zum Verhandlungstisch, lasst uns reden und auf friedliche Weise Lösungen suchen!“ Der US-Präsident setzt auf Unterstützung durch ultrakonservative Kreise und Evangelikale, eine Frömmigkeitsbewegung innerhalb des Protestantismus. Die über 70 Millionen Katholiken sind in den USA (348 Millionen Einwohner) eine wichtige Gruppe. Vorwiegend sind die USA aber protestantisch, wobei konservative Evangelikale großen Einfluss haben. Trump wurde presbyterianisch erzogen, nennt sich heute nicht konfessionsgebundener Christ.CM