KOMMENTAR

Warum diese Geheimniskrämerei?

von Redaktion

Flughafenprognose

Mit Vorhersagen ist es wie mit Umfragen: Man kann ihnen glauben. Besser aber nicht. Eine unter Verschluss gehaltene Verkehrsprognose für den Flughafen München stimmt jedenfalls misstrauisch. Angeblich kann man bis 2033 einigermaßen präzise die Dimension des Luftverkehrs vorhersagen. Nun ja, die Gutachter wussten wohl noch nichts vom Iran-Krieg und von den Pirouetten, die der Kerosin-Preis dreht. Und die nächste Krise kommt leider bestimmt. Doch da die Prognose nun einmal vorliegt, sollte sie auch auf den Tisch. Da haben die Freien Wähler recht: Es ist kein Privatgutachten für den Verkehrsminister. Die Öffentlichkeit hat ein Recht auf die Zahlen.

Problematisch ist auch, dass erneut das Fachbüro Intraplan mit der Prognose beauftragt worden ist. Gab es keine anderen Fachleute? Zur Erinnerung: Intraplan-Gutachter lagen vor Jahren, als es um eine Bedarfsberechnung für die 3. Startbahn ging, grob daneben. Und das auch ohne Corona-Krise. Sie sagten für 2025 bis zu 590 000 Starts und Landungen voraus. Tatsächlich waren es 337 000. Die Gutachter hatten unterschätzt, dass immer größere Flugzeuge eingesetzt werden – Passagierzahlen wachsen daher viel stärker als die Flugzahlen. Wäre es nach Intraplan gegangen, wäre die umstrittene Flugpiste längst gebaut. In einem anderen Gutachten hat Intraplan jetzt für den Flughafen 67,5 Millionen Passagiere für 2040 prognostiziert. Auch das kann man hinterfragen.

Das gilt umso mehr, weil Flughafen und Lufthansa, die die Prognose mutmaßlich schon kennen, auf Basis der geheimen Zahlen Ausbauvorhaben vorantreiben. Zumindest hinter den Bedarf, das Satellitenterminal gleich für weitere zehn Millionen Passagiere auszubauen, darf man ein Fragezeichen setzen.

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