Armeechef Munir ist der starke Mann in Islamabad. © IMAGO
München – Der Lieblingsfeldmarschall des US-Präsidenten führt seine Soldaten mit harter Hand, trägt einen akkurat gestutzten Schnurrbart – und ist kein Amerikaner. Asim Munir, Pakistans Armeechef, gilt in diplomatischen Kreisen als Trump-Flüsterer. Der 58-Jährige soll Donald Trump bereits zweimal persönlich getroffen und ihn für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen haben. Seitdem hat er einen guten Draht ins Weiße Haus.
Munir war laut „FAZ“ die letzte Person, mit der Trump telefonierte, bevor er die zweiwöchige Waffenruhe im Iran-Krieg verkündete. Seit Freitag verhandeln die Kriegsparteien in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad – Pakistan wird zum zentralen Vermittler. Damit landete der Armeechef, hinter dem Pakistans Premier Shehbaz Sharif faktisch nur die zweite Geige spielt, einen diplomatischen Coup. Der Krisenstaat, der sich im Krieg mit Afghanistan befindet und dessen Wirtschaft seit Jahren schwächelt, möchte damit sein internationales Ansehen aufpolieren.
Pakistan steigt jedoch nicht zur Drehscheibe der Diplomatie im Iran-Konflikt auf, nur weil die Chemie zwischen Munir und Trump stimmt. Das Land befindet sich in einer besonderen geostrategischen Lage: Es ist der einzige mehrheitlich muslimische Staat mit Atomwaffen, der keine US-Militärbasen beherbergt. Gleichzeitig unterhält es gute Beziehungen zu Iran, China und den Golfstaaten.
Für viele Beobachter glänzt Pakistan daher als besonders neutraler Vermittler. Doch mit Blick auf eine der Kriegsparteien trifft das nicht zu: Islamabad erkennt Israel nicht an und unterhält keine offiziellen diplomatischen Beziehungen zu dem jüdischen Staat. Kurz vor Beginn der Verhandlungen goss Pakistans Außenminister Khawaja Muhammad Asif noch einmal Öl ins Feuer. In einem Post auf der Plattform X beschimpfte er Israel als „Fluch für die Menschheit“ und „Krebsgeschwür auf palästinensischem Land“. Pakistanischen Medienberichten zufolge zwang Munir den Minister, den Beitrag nach empörten Reaktionen aus Israel zu löschen.
Pakistans hauptsächliche Motivation, einen Frieden zu vermitteln, dürfte Selbstschutz sein: Das Land unterzeichnete 2025 ein historisches Verteidigungsabkommen mit Saudi-Arabien. Weitere iranische Angriffe, etwa auf saudi-arabische Energieanlagen, könnten Islamabad in den Krieg hineinziehen.SOPHIA BELLIVEAU