Gekommen, um zu bleiben

von Redaktion

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner zu Gast bei Scharfschützen in Rukla. © dpa

Rukla – „Sveiki atvyke, herzlich willkommen“, sagt Oberstleutnant Karsten Dyba, als die Wagenkolonne in der Kaserne von Rukla am Freitagmorgen anhält. So viel Litauisch hat der Presseoffizier der deutschen Brigade bereits gelernt. Dabei ist er selbst seit wenigen Wochen im Land, es ist sein zweiter Einsatz in Litauen seit 2024. „Ich bin gekommen, um zu bleiben“, sagt er. Das passt zur Philosophie der deutschen Brigade in Litauen, mit der die Bundeswehr im wahrsten Sinne des Wortes Neuland betritt.

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte stellt die Bundeswehr eine Brigade im Ausland auf, deren Soldat dort auch dauerhaft stationiert sein sollen, und das mitsamt ihren Familien.

Die Brigade ist ein Leuchtturmprojekt der deutschen Verteidigungspolitik. Daher geben sich die politischen Spitzengäste derzeit gewissermaßen die Klinke in die Hand. Am Freitag ist es Bundestagspräsidentin Julia Klöckner.

Oberstleutnant Dyba gibt einen Einblick in die Organisationsstruktur. Das ist gar nicht so einfach, denn in der Kaserne in Rukla befinden sich nicht nur die Soldaten der deutschen Brigade, sondern auch von sechs weiteren Nationen, die gemeinsam die multinationale Battlegroup Litauen bilden.

Diese Battlegroup ist ein Kampfverband aus verschiedenen Nationen der Nato. Es gibt sie seit August 2017 mit Truppenteilen aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Kroatien, Luxemburg, den Niederlanden und Norwegen. Seit dem 4. Februar untersteht der Kampfverband der deutschen Panzerbrigade 45. Sie wurde vor einem Jahr formal in den Dienst gestellt. Dazu fand im Mai 2025 ein feierlicher Appell in der Hauptstadt Vilnius statt, zu dem Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) anreisten.

Vor allem aber war dieser Appell ein Volksfest unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, denn die deutschen Soldaten sind in Litauen mit Begeisterung begrüßt worden. Ihr Auftrag ist, die Nato-Ostflanke zu sichern und der Bevölkerung dadurch ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln. Dazu soll die Truppe bis zum nächsten Jahr auf insgesamt 5000 Menschen anwachsen. „Wir sind mehr als willkommen hier“, sagt Oberstleutnant Dyba.

Etwa 1200 Menschen leben auf dem Gelände, die Hälfte davon Deutsche. Früher wurde die Kaserne von den Sowjets genutzt, seit den 80er-Jahren wurden die Gebäude saniert und neue errichtet. Vieles wirkt noch provisorisch. Die Deutschen sind in Zwei-Bett-Stuben untergebracht, die Litauer schlafen zu sechst in einem Raum. Die Sporteinrichtungen sind in Zelten untergebracht, ein Fitnessraum und das Casino in Containern. Trotzdem ist die Zahl der Freiwilligen, die sich für die deutsche Brigade gemeldet hat, noch überschaubar. Zu den rund 1800 Deutschen, die hier schon dienen, sollen binnen eines Jahres 3000 weitere hinzukommen – eine Herausforderung.C. DANKBAR

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