Heikle Friedens-Mission für Vance

von Redaktion

Ein Kriegsgegner auf Rettungsmission: US-Vizepräsident JD Vance spricht kurz vor dem Abflug nach Pakistan mit Journalisten. © Jacquelyn Martin/dpa

München – Eigentlich hatte JD Vance anderes im Sinn. Dieser Tage wollte der US-Vize durchs Land reisen, um Zorn und Frust einzufangen, die sich bei vielen Wählern wegen der hohen Lebenshaltungskosten angestaut haben. Im Trump-Lager wächst schließlich die Sorge, dass die Zwischenwahlen im November in die Hosen gehen könnten. Doch Vances Plan hat sich geändert, andere Sorgen sind gerade akuter. Sein Ziel: nicht Idaho, sondern Islamabad. Seine Mission: vielfach schwieriger.

Der 41-Jährige ist Teil jenes Teams, das ab Samstag mit dem Iran über einen Frieden verhandeln soll. Man kann das überraschend finden. Zuletzt hatte Trump seinen Vize bei großen außenpolitischen Themen eher links liegen gelassen, manche glauben: ganz bewusst. Als Trump sich Anfang Januar für seinen Venezuela-Coup feierte, fehlte Vance. Genauso Ende Februar, als Benjamin Netanjahu den US-Präsidenten zum Angriff auf den Iran überredete. Die Liste ließe sich fortsetzen. Bewusste Missachtung?

In Wahrheit dürfte Vance nicht undankbar gewesen sein. Denn so geschmeidig er sich Trump andient, so sehr lehnt er dessen außenpolitische Abenteuer ab. Bis zuletzt soll er versucht haben, seinem Chef den Iran-Krieg auszureden – ein einsamer Mahner im inneren Zirkel des Präsidenten. Nun soll ausgerechnet er den Schlamassel beseitigen helfen, den Trump erst verursacht hat.

Taktisch ist das durchaus klug. Denn die Allzweck-Verhandler Steve Witkoff und Jared Kushner, die Trump ebenfalls nach Islamabad schickt, gelten aus iranischer Sicht als nicht mehr allzu vertrauenswürdig. Sie verhandelten schon vor dem Krieg mit dem Teheraner Regime, mit bekannten Folgen. Der Kriegsgegner Vance, der sich auch in der Vergangenheit immer wieder gegen eine direkte Konfrontation mit Teheran ausgesprochen hatte, könnte ab Samstag also den Unterschied machen. Laut „New York Times“ soll der Vermittler Pakistan darum gebeten haben, dass er mitverhandelt.

Trump bürdet seinem Vize damit einiges auf, die Herausforderung ist gewaltig und der Auftakt nicht ideal. In der strittigen Frage, ob der am Mittwoch beschlossene Waffenstillstand auch für den Libanon gilt, sprach Vance salopp von einem „Missverständnis“ auf Seiten Irans und Pakistans. Vertrauensbildend war das kaum. Dabei stehen am Wochenende heikle Punkte auf dem Programm, bei denen neue Missverständnisse tabu sind. Etwa die Frage nach der Uran-Anreicherung, bei der beide Seiten völlig überkreuz liegen.

Für Vance kommt erschwerend hinzu, dass Teheran mit einigen Vorteilen in die Verhandlungen geht. Trump akzeptierte den Zehn-Punkte-Plan des Regimes als Gesprächsbasis und überließ ihm de facto die Kontrolle über die Straße von Hormus. In Teheran dürfte man verstanden haben: Die USA suchen einen Ausweg aus dem Krieg, auch wegen der nahenden Zwischenwahlen. Sie seien „der stärkste Hebel, den die Iraner haben, und sie wissen das“, sagte Marc Short, Politikberater und Stabschef des früheren Vizepräsidenten Mike Pence, der „New York Times“. Für die US-Verhandler um Vance sei das eine „Herausforderung“.

Der US-Vize trägt das Risiko. Läuft es gut, kann er sich den Erfolg ans Revers heften, ein vertracktes Problem gelöst und die USA gesichtswahrend aus einem Krieg geholt zu haben. Es wäre ein Auftrieb für seine eigenen Präsidentschaftshoffnungen. Geht es aber schief, bleibt es an ihm haften.

Womöglich erinnert sich Vance gerade häufiger an jenen Oster-Lunch im Weißen Haus, bei dem Trump ihn direkt ansprach. Wie es denn mit dem Iran-Deal so laufe, wollte der US-Präsident wissen. Statt die Antwort abzuwarten, riss er einen vielsagenden Witz: „Wenn es nicht klappt, gebe ich JD Vance die Schuld. Und wenn es klappt, streiche ich das Lob ein.“ Ob Vance darüber lachen konnte, ist nicht überliefert.

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