Kleines Land, große Wahl

von Redaktion

Die Zukunft Orbáns

Ungarn hat nur 9,5 Millionen Einwohner – und trotzdem blicken viele Europäer auf die Wahl in diesem kleinen Land ähnlich gebannt wie auf eine US-Wahl. Denn dort entscheidet sich am Sonntag, ob die seit 16 Jahren systematisch ausgebaute Allmacht des Viktor Orbán endet. Mit gewaltigen Folgen für die EU und für den Ukraine-Krieg, da der ungarische Premier den für Kiew überlebenswichtigen 90-Milliarden-Kredit blockiert. Weil Orbán die Blaupause lieferte für rechte Populisten weltweit, könnte seine Niederlage auch als Bremse für den Aufstieg Putin-freundlicher Parteien in Deutschland, Frankreich oder anderswo wirken. Aber gerade wegen des bisherigen Erfolges von Orbáns Fidesz-Partei sollte man sich hüten, vorschnell seinen Konkurrenten Péter Magyar zum Sieger auszurufen. Denn sein über Jahre systematisch ausgebauter Apparat wehrt sich mit geballter Macht: 80 Prozent der ungarischen Medien sind im Besitz regierungsnaher Eigentümer. Selbst im Fall eines Magyar-Wahlsiegs werden diese Orbán-Claqueure und die gleichgeschalteten Institutionen echten Wandel in Ungarn erschweren.

Dass Magyar trotz dieser übermächtigen Gegner in die Favoritenrolle wachsen konnte, zeigt, wie sehr sich viele Ungarn nach Wandel sehnen. Es gibt Wechselstimmung, und Magyar, der einst Teil des Fidesz-Machtapparats war, ist auch für von Korruptionsskandalen enttäuschte Ex-Orbán-Fans wählbar.KLAUS.RIMPEL@OVB.NET

Artikel 1 von 11