AfD: Lucassen tritt zurück

von Redaktion

Höcke-Gegenspieler gibt nach langem Streit seinen Posten ab

Berlin – Die AfD verliert ihren langjährigen verteidigungspolitischen Sprecher im Bundestag. Rüdiger Lucassen tritt von seinem Amt zurück und kommt damit einem Misstrauensantrag zuvor. Hintergrund ist Streit über seine Positionen pro Nato, Wehrpflicht sowie gegen Russland. Kollegen werfen Lucassen einen Hang zu Alleingängen vor, etwa bei der Forderung, Deutschland solle „Führungsnation“ in der Verteidigung des Nato-Gebiets sein.

In seinem Rücktrittsschreiben begründete er den Schritt auch damit, die Chancen der AfD bei den Landtagswahlen im Osten nicht durch Personaldebatten schmälern zu wollen. Interimsmäßig soll sein Fraktionskollege Jan Nolte den Arbeitskreis Verteidigung führen.

Lucassen war zuletzt intern immer mehr unter Druck geraten. Der langjährige Bundeswehroffizier tritt als Befürworter von Nato und Westbindung auf und wurde als einer von drei AfD-Politikern zur diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz eingeladen. Er positioniert sich nachdrücklich für die Wiedereinsetzung der Wehrpflicht, was vor allem bei der Ost-AfD unpopulär ist. Vergangenes Jahr geriet er in offenen Konflikt mit Thüringens Landeschef Björn Höcke.

Erst am Wochenende feuerte der 74-Jährige auf X bemerkenswerte Salven mit Vorwürfen gegen seinen Fraktionskollegen Torben Braga, einen Höcke-Vertrauten, ab. Bei dem Konflikt geht es auch um grundsätzliche Fragen. Lucassen wirft seinen Gegnern aus dem Höcke-Lager einen „Anti-BRD-Sound. Die Re-Etablierung des alten DDR-Kampfbegriffs“ vor.

Die Lucassen-Kritiker im AK Verteidigung sagen, mit Höcke habe der ursprünglich geplante Misstrauensantrag nichts zu tun. Der Abgeordnete Heinrich Koch, der sich als klaren Transatlantiker bezeichnet, hatte den Führungsstil Lucassens verantwortlich gemacht.DPA/CD

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