Berlin – Wirtschaftsexperten sehen die Koalitionsbeschlüsse zur Entlastung der Verbraucher von den hohen Energiekosten vielfach skeptisch. Der Präsident des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, warnte in der „Welt“ vor Ausfällen bei Steuern und Sozialbeiträgen von zwölf Milliarden Euro durch die von Union und SPD geplante Möglichkeit für Arbeitgeber, Beschäftigten 1000 Euro steuer- und abgabenfrei auszuzahlen. Zudem würden damit soziale Aufgaben des Staates auf Unternehmen übertragen. Von einer „deutlichen sozialen Schieflage“ im Entlastungspaket der Koalition sprach der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. „Die bislang angekündigten Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung bei den Energiepreisen greifen zu kurz und sind in Teilen sogar kontraproduktiv“, warnte er.
Die steuerfreie Einmalzahlung von bis zu 1000 Euro „kommt vor allem Beschäftigten in größeren und finanzstarken Unternehmen zugute, während viele andere Gruppen leer ausgehen – etwa Arbeitslose, Rentnerinnen und Rentner, Studierende oder Beschäftigte in kleinen Betrieben“, kritisierte Fratzscher. Gleichzeitig setze die für zwei Monate geplante Senkung der Mineralölsteuer „falsche Anreize, da sie den notwendigen Rückgang des Energieverbrauchs im Straßenverkehr nicht unterstützt“. Zuvor hatte bereits die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer die zeitlich befristete Aussetzung der Energiesteuer als „die schlechteste aller bisher diskutierten Optionen“ kritisiert.