„Diese Attacke schadet Trump“

von Redaktion

Benjamin Dahlke, Professor für Dogmatik an der Katholischen Universität Eichstätt. © KU Eichstätt

Notre Dame – Benjamin Dahlke (43) ist Professor für Dogmatik an der Universität Eichstätt. Der Priester hält sich derzeit an der privaten University of Notre Dame in Indiana auf. Der Theologe erlebt vor Ort die Zuspitzung des Konflikts zwischen US-Präsident Donald Trump und Papst Leo XIV. Die Illustration, die Trump gepostet hatte und auf der er als Jesus Christus dargestellt war, hat der Präsident löschen lassen.

Warum sind Sie in den USA?

Ich befasse mich mit dem Thema Religion und Politik in den USA. Im Juni erscheint ein Buch von mir unter dem Titel „One Nation under God“. Aktuell sammle ich weiteres Material, weil das Thema relevant ist.

Trumps Verbalattacke markiert einen Höhepunkt des bisherigen Streits.

Es hat sich lange angedeutet, dass das Verhältnis eher schwierig ist. Jetzt haben wir einen Eskalationspunkt erreicht. Was Trump damit genau will, weiß ich nicht. Denn er ist ja auf die Stimmen der katholischen Wähler angewiesen, um bei den Midterm-Elections noch zu gewinnen. Das ist ironischerweise „das Beste“, was er machen kann, um die Wahlen zu verlieren.

Was bedeutet das für das Verhältnis zwischen dem Vatikan und den USA?

Da ist ein großes Spannungsverhältnis da, falls das Tischtuch nicht sogar zerschnitten ist. Es ist nicht nachvollziehbar. Der Vatikan ist aktuell ein Sympathieträger. Sich gegen ihn zu stellen, bringt eigentlich nichts. Ich frage mich, was gewinnt Trump damit? Ich kann das nicht erkennen.

Haben Sie mit Katholiken über den aktuellen Disput gesprochen?

Da ist Entsetzen auf allen Seiten. Auch die republikanischen Wähler können das nicht mehr nachvollziehen. Jetzt hat Donald Trump ohne Not an seine eigenen Wähler ein Signal gesendet, dass er sich von der katholischen Kirche distanziert. Das kommt nicht gut an.

Können Sie sich vorstellen, dass dieser Vorfall Trump schadet?

Ja, das trägt mit zu einem Stimmungsumschwung bei. Was die Menschen derzeit aber am meisten umtreibt, sind die hohen Lebenshaltungskosten mit den hohen Benzin- und Energiepreisen. Der Krieg gegen den Iran hilft Trump nicht. Und jetzt auch noch den Sympathieträger Papst gegen sich zu bringen: Ich glaube, für die Republikanische Partei wird es zunehmend schwieriger, jetzt noch Wahlen zu gewinnen.

Wie wird es weitergehen?

Trump ist emotional unkontrolliert. Ich fürchte, dass da noch was nachkommt und er sich nicht bremsen lässt. Ich glaube nicht, dass er noch auf seine Berater hört. Das wird vor allem seiner Partei schaden.

CM

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