Diese Mutter floh in den Osten des Sudan. © Modola/dpa
Berlin – Es ist laut UN die derzeit größte humanitäre Krise weltweit – und trotzdem findet der Krieg und die damit verbundene Hunger- und Flüchtlingskatastrophe im Sudan in der Politik kaum Beachtung. Das soll eine internationale Sudan-Konferenz ändern, die heute auf Einladung der Bundesregierung in Berlin stattfindet und die gemeinsam mit der EU, Frankreich, Großbritannien, den USA und der Afrikanischen Union organisiert wurde.
UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher erklärte, dass nahezu 34 Millionen Menschen im Sudan auf humanitäre Hilfe angewiesen seien, das entspreche zwei Dritteln der Bevölkerung. Auslöser der Katastrophe ist der erbitterte Machtkampf zwischen der regulären Armee und den paramilitärischen „Rapid Support Forces“ (RSF). Der Krieg begann am 15. April 2023 in und um die Hauptstadt Khartum und weitete sich auf große Teile des nordostafrikanischen Landes aus. Dabei geht es auch um Rassismus des arabischstämmigen Teils gegenüber den schwarzen Sudanesen, die von den RSF-Kämpfern als „Falangai“, also als Sklaven verachtet werden. Bei der Eroberung der Stadt Al-Faschir durch die RSF kam es zum wohl schlimmsten Massaker seit dem Genozid in Ruanda. Laut Augenzeugen und Satellitenüberwachung wurden dort binnen weniger Tage rund 73 000 Menschen ermordet.
Der 34-jährige Khalil, der Ende Oktober 2025 aus Al-Faschir fliehen konnte, schilderte gegenüber Amnesty International, dass er nur überlebte, weil er sich totgestellt habe: „Die RSF tötete Menschen wie Fliegen. Es war ein Massaker. Keine der getöteten Personen, die ich gesehen habe, war ein bewaffneter Soldat.“ Bei dem Bürgerkrieg mischen zahlreiche Staaten mit, allen voran die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Scheichs liefern Waffen und bekommen dafür Gold, denn die ergiebigen Goldminen im Sudan werden von den RSF-Milizen kontrolliert.
„Diese Konferenz darf nicht mit Absichtserklärungen oder der reinen Zusage von Hilfsgeldern enden“, fordert Parnian Parvanta, Chef von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. Die Bundesregierung müsse Druck machen, „dass die Kriegsparteien die Zivilbevölkerung und medizinische Einrichtungen und deren Personal nicht weiter attackieren”.KLAUS RIMPEL