Vor einem Jahr herrschte noch eitel Sonnenschein: Jetzt ist das Verhältnis zwischen US-Präsident Donald Trump und Italiens Ministerpräsidentin Meloni erschüttert. © Brandon/dpa
Washington/Rom – Der US-Präsident ist an zahlreichen Schauplätzen auf der Welt gefragt. Dass sich Donald Trump Zeit für eine italienische Tageszeitung nimmt, will da etwas heißen. Durch die verbalen Angriffe des US-Präsidenten auf Papst Leo XIV. sind Italien und der Vatikan vorübergehend in den Fokus der Weltpolitik geraten. In einem gestern im „Corriere della Sera“ veröffentlichten Telefoninterview legte Trump nun nach. Er bezeichnete die italienische Regierungschefin als „inakzeptabel“. Er sei „schockiert“ von Meloni. „Ich dachte, sie hätte Mut, aber ich habe mich getäuscht.“
Die jüngste Verbalattacke des US-Präsidenten ist insofern bedeutsam, da Meloni bis vor Kurzem ein besonders guter Draht nach Washington nachgesagt wurde. Die rechtskonservative Ministerpräsidentin galt als Brückenbauerin zwischen Europa und den USA. Diese Phase ist offenbar vorbei. Beide hätten „seit langer Zeit“ nicht mehr miteinander gesprochen, behauptete Trump. Der Grund: Meloni „will uns nicht mit der Nato helfen, sie will uns nicht helfen, einen Iran mit Atomwaffen loszuwerden. Sie ist ganz anders, als ich dachte“. Vor Monaten hatte der US-Präsident die Italienerin noch als „große Leaderin“ und „meine Freundin“ bezeichnet.
Über Monate hatte Meloni eine Art politischen Drahtseilakt vollzogen und versucht, ihren privilegierten Zugang zu Trump trotz gegenläufiger innenpolitischer Interessen aufrechtzuerhalten. Trumps Popularität in Italien ist nach dem Angriff auf Iran und den steigenden Energiepreisen auf ein neues Minimum gesunken. Nach seiner Verbalattacke auf den Papst („schwach“, „eine Katastrophe“) sah sich die Ministerpräsidentin zu einem Kurswechsel und direkter Kritik am US-Präsidenten gezwungen. Meloni bezeichnete Trumps Worte als „inakzeptabel“. Die italienische Opposition erklärte sich daraufhin solidarisch mit der Ministerpräsidentin.
Der US-Präsident hatte Leo XIV. am Montag wegen dessen Kritik an Krieg und Mahnungen zu Frieden attackiert. Im Interview mit dem „Corriere della Sera“ führte Trump seine Kritik an Leo XIV. weiter aus: „Er versteht es nicht. Er sollte nicht über den Krieg reden, weil er keine Ahnung hat, was vor sich geht. Er versteht nicht, dass letzten Monat 42.000 Demonstranten im Iran getötet wurden.“ Auch US-Vizepräsident J. D. Vance kritisiert den Papst: „In manchen Fällen wäre es das Beste für den Vatikan, sich auf moralische Angelegenheiten zu konzentrieren.“ Papst Leo hatte indes unbeeindruckt erklärt, er habe „keine Angst vor der Trump-Administration“. Er legte gestern nach: „Auch in den internationalen Beziehungen gilt das Gebot: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“
Meloni ist innenpolitisch unter Druck, nachdem ihre Regierung am 23. März ein Referendum zur Reform der Justiz verloren hat. Bis dahin herrschte in der Regierung weitgehend Ruhe. Inzwischen deuten Umfragen auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Opposition vor der Parlamentswahl 2027 hin. Dabei spielt auch die Popularität des Papstes im katholischen Italien eine Rolle. Nach Trumps Attacke sah sich Meloni daher zu einer kritischen Stellungnahme gezwungen. Im März hatte sie den USA untersagt, die Militärbasis auf Sizilien für Einsätze von Bombern in Richtung Iran zu nutzen. Auch das dürfte den US-Präsidenten erzürnt haben. „Gefällt es euch, dass eure Präsidentin nichts unternimmt, um Öl zu bekommen?“, fragt Trump jetzt.