Einmal durchatmen, zumindest bis Mittwoch. Bis dahin will der Iran die Straße von Hormus, deren Blockade der Weltwirtschaft gefährlich die Luft abschnürt, wieder öffnen. Die Nachricht platzte mitten hinein in die Pariser Gespräche, bei denen Merz, Macron, Meloni und Co. über die Krise berieten. Auch wenn der beleidigte Trump sich gestern Hilfe verbat: Europa, bisher leidender Beobachter des glücklosen US-israelischen Kriegs, könnte bald gefordert sein.
Noch ist es zu früh für allzu großen Optimismus. Die USA blockieren den Seeweg weiter; ob der Iran die Öffnung an eine Maut knüpft, ist unklar; das Zeitfenster ist vorerst sehr klein. Aber das Signal stimmt – nun müssen auch die Planungen für einen europäischen Marineeinsatz zwingend und möglichst schnell konkret werden. Die Vorsicht, mit der der Kanzler am Freitag eine deutsche Beteiligung in Aussicht stellte, mag der Sorge geschuldet sein, dass die Deutschen einen Einsatz kritisch sehen könnten. Aber er ist nötig, die deutsche Expertise bei der Minenräumung unverzichtbar. Im Übrigen kann Berlin sich nicht wegducken, wenn London, Paris, Rom und andere vorangehen.
Der Kanzler hat Recht: Scheitert die Absicherung des wichtigen Seewegs, dann droht eine globale Krise. Zur unangenehmen Wahrheit gehört aber, dass der Iran in diesem Spiel besonders starke Karten hat. Macht er die Passage wieder dicht, wird es richtig unangenehm.MARCUS.MAECKLER@OVB.NET