Es ist ein Drama. Der Wal! Das arme Tier, gestrandet vor einer Ostseeinsel. Wochenlang unfähig, sich allein freizuschwimmen – zum Leben wahrscheinlich zu schwach, zum Sterben aber zu stark. Buckelwal Timmy beschäftigt die ganze Republik. Bemerkenswert, wie viele Leute es gibt, die sich da engagieren, und welche Pläne sie erdenken. Taucher, Luftkissen, Kräne, Hebeplanen an Pontons und Schleppschiffe gehören zur jüngsten Rettungsaktion. Dazu Tierärztinnen (eine davon angeblich eingeflogen aus Hawaii), Seeleute, Behördenvertreter. Und Sicherheitspersonal, um Schaulustige fernzuhalten. Es ist schön zu sehen – weil Mitgefühl ein Zeichen für Menschlichkeit ist.
Doch es gibt auch eine andere Seite. Ein weiser Mensch hat gesagt: „Mach immer eins nach dem anderen – und das Wichtigste zuerst.“ Mit diesem Leitsatz im Kopf stelle man sich vor, man würde all diese Empathie und Energie für etwas anderes einsetzen. Zum Beispiel für einen von mehr als 40.000 Münchner Senioren, die über sich sagen, dass sie sich einsam fühlen – und darunter leiden. Aber vielleicht ist der alte Herr von nebenan nicht so spektakulär wie ein 800 Kilometer entfernter Wal.