Während Weltpolitik heute nicht mehr nur von Moskau, sondern auch von Washington aus mit Gewalt und unverhohlenen Erpressungsversuchen betrieben wird, hat der Papst ein Jahr nach seiner Wahl seine Rolle gefunden. Leo XIV. verkündet die Friedensbotschaft des Evangeliums immer unmissverständlicher. Dazu hat ihn sein „Landsmann“ Donald J. Trump getrieben. Und jetzt ist es Leo, der dieser Auseinandersetzung die Schärfe nimmt. Er lässt sich keinen Kulturkampf aufzwingen.
Dem US-Präsidenten, der seine Botschaften immer wilder in die Welt posaunt, begegnete Leo XIV. mit einer Gelassenheit, die etwas aufatmen lässt. Sein Satz: „Ich habe keine Angst vor der Trump-Regierung“, hat eine weltweite Solidarisierungswelle mit dem Papst ausgelöst, wie man sie sich nicht mehr hatte vorstellen können. Dieser Satz gilt auch nach Leos Einlenken.
Trump hat mit seinen blasphemischen Grenzüberschreitungen den Bogen weit überspannt. Der Papst hat die Maßstäbe zurechtgerückt. „Die Welt wird von einer Handvoll Tyrannen zerstört und von Myriaden solidarischer Brüder und Schwestern aufrechterhalten“, sagt er. Dass Leo weder die Namen der Politiker noch die Länder nennt, dürfte den selbst ernannten Heilsbringer Trump zusätzlich erzürnt haben. Seine Reaktion: billige Vulgärrethorik. Vor einem Jahr, am 21. April 2025, starb Leos Vorgänger Franziskus. Er hatte sich zum Sprachrohr der Schwächsten gemacht. Im ersten Jahr seines Amtes hatte sein amerikanischer Nachfolger mit abwartender Schüchternheit viele verunsichert. Leos klare Friedensbotschaft gibt den Menschen Hoffnung, dass die Welt nicht den Deal-Makern überlassen wird. Sein Einlenken im Streit mit Trump muss man in diesem Licht sehen.CLAUDIA.MOELLERS@OVB.NET