Das Münchner Ergebnis war also keine Ausnahme. Der Wind hat sich gedreht! War eine Olympiabefürwortung der Bevölkerung noch vor wenigen Jahren undenkbar – das hatte auch die Landeshauptstadt leidvoll erfahren müssen –, will Deutschland das größte Sportereignis der Welt nach beiden Nazi-Propaganda-Episoden 1936 (Garmisch-Partenkirchen und Berlin) und den München-Spielen (1972) ein viertes Mal ausrichten. Das zeigt das 66-Prozent-JA-Ergebnis am Sonntag aus NRW (München: 66,4 Prozent).
Die Bürgerbefragungen spielen in der mehrschichtigen Evaluierungs-Matrix des Deutschen Olympischen Sportbundes (die Entscheidung fällt am 26. September) zwar eine wesentliche Rolle. Bewertet werden unter anderem noch „sportfachliche und operative Eignung“ und der Punkt „Kosten und Finanzierung“. Noch wichtiger aber ist die internationale Strahlkraft.
Die Vergleiche mit Katar, Saudi-Arabien, Südafrika oder Indien sind, ungeachtet der jeweiligen Konzepte, eigentlich nicht zu gewinnen. Denn Deutschland kommt trotz seiner drei geplanten Anläufe (2036, 40, 44) nur dann infrage, wenn sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) dazu entschließt, die Spiele nach Europa zu vergeben. In diesem Fall gilt es – laut aktuellem Stand –, Budapest, Madrid und Istanbul auszustechen.
Womit wir bei der zugegeben etwas polemischen Frage wären: Kennt das IOC Köln überhaupt? Ja, natürlich. Aber die Domstadt ist auch nur die „Leading City“ der auf 17 Städte verstreuten NRW-Bewerbung. Und mal ehrlich: Monheim, Krefeld und Duisburg verstreuen, bei aller Nachhaltigkeit, kein internationales Flair wie zuletzt Rio (2016), Tokio (2021) und Paris (2024) und demnächst Los Angeles (2028). Da hat München deutlich die Nase vorn.