Kinder werden krimineller

von Redaktion

Mehr gewalttätige Kinder: Dobrindt stellt die Kriminalstatistik vor. © imago, Nietfeld/dpa

Berlin – Trendwende bei der Gewaltkriminalität: Erstmals seit 2021 geht die Zahl der Delikte in Deutschland wieder zurück. Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr rund 212.000 Fälle – ein Minus von 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das geht aus der gestern vorgestellten Kriminalstatistik für 2025 hervor.

Doch eine Zahl der Statistik bereitet Ermittlern und Politikern große Sorgen: Die Zahl der unter 14-Jährigen, die wegen Gewalttaten auffällig wurden, ist erneut gestiegen – um 3,3 Prozent auf rund 14.200 Tatverdächtige. Bereits 2024 hatte es hier einen deutlichen Anstieg um 11,3 Prozent gegeben.

Die Ursachen dafür müssen noch genauer analysiert werden, so der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch. Auf der Suche nach Erklärungen verweist das BKA auf Studien, die psychische Belastungen durch mehr „Zukunftsängste angesichts multipler Krisen“ nennen. Nicht genügend erforscht sei bisher ein möglicher Zusammenhang zwischen der Nutzung bestimmter Social-Media-Angebote durch Kinder und Jugendliche und der Wahrscheinlichkeit straffälligen Verhaltens. Jungen im Alter zwischen 8 und 13 Jahren waren bei Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße zuletzt die einzige Gruppe, bei der die Zahl der Tatverdächtigen im Vergleich zum Vorjahr stieg.

Kinder in dieser Altersgruppe sind noch nicht strafmündig. Das ist man in Deutschland erst ab einem Alter von 14 Jahren. Mehrere Politiker, vor allem aus der Union, hatten sich zuletzt offen für eine Debatte über eine Herabsetzung der Altersgrenze gezeigt. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hält davon aber nichts. Sie sagt, es sei eine Illusion, dass sich potenzielle Täter allein durch schärfere Strafen abschrecken ließen. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, der Hamburger Innensenator Andy Grote (SPD), wies darauf hin, dass die Kriminalität auf lange Sicht seit Jahrzehnten rückläufig sei, auch wenn sie nach der Corona-Pandemie zunächst angestiegen sei.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte, der Rückgang von Straftaten im vergangenen Jahr habe auch mit weniger irregulärer Migration zu tun. Grote betonte, unter Geflüchteten seien junge Männer überrepräsentiert – eine Gruppe, die generell eine höhere Kriminalitätsneigung zeige als andere gesellschaftliche Gruppen. Die Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Mehtap Caglar, kritisierte derweil: „Die Veröffentlichung des polizeilichen Tätigkeitsberichts wird immer dazu genutzt, Stimmung gegen Menschen mit Migrationsgeschichte zu machen.“ Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger lag 2025 bei 35,5 Prozent und damit in etwa auf dem Niveau des Vorjahres (35,4 Prozent). Ausländerrechtliche Verstöße sind dabei nicht berücksichtigt.

Laut der ebenfalls am Montag vorgestellten BKA-Studie „Sicherheit und Kriminalität in Deutschland“ ist das Sicherheitsgefühl grundsätzlich hoch. Nachts und an öffentlichen Orten wie dem Nahverkehr, Bahnhöfen oder Parks ist es jedoch deutlich niedriger. Auch zwischen den Geschlechtern gibt es Unterschiede: Das Sicherheitsgefühl von Frauen sei geringer ausgeprägt, sagte Grote. Sie könnten sich gerade mit Blick auf Sexualstraftaten nicht so sicher fühlen, wie man sich das wünsche. Es gelte, mehr zu tun, um Frauen besser zu schützen: „Nur eine Gesellschaft, in der sich auch Frauen sicher fühlen können, ist eine wirklich sichere Gesellschaft.“

Die Kriminalstatistik weist einen auffälligen Anstieg bei Fällen von Vergewaltigung um neun Prozent aus. Tatverdächtige sind überwiegend männliche Freunde und Bekannte sowie aktuelle und ehemalige Partner. Der BKA-Studie zufolge sind besonders junge Erwachsene zwischen zwölf und 24 Jahren von Sexualstraftaten betroffen. Demnach werden in diesem Bereich besonders wenige Taten angezeigt.KR/SBE/DPA

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