Der Kanzler und die Faulpelze

von Redaktion

Wieder mal Empörung über Merz

Alles Faulpelze außer Merz? Die SPD liefert nicht, die Deutschen sind zu bequem geworden und arbeiten zu wenig. Mit beiden Befunden, vorgetragen vor Deutschlands Bankern, hat der Kanzler nicht ganz Unrecht. Motivieren, ja aufrütteln gehört zu den Jobbeschreibungen eines Regierungschefs. Und doch hat sich Friedrich Merz mal wieder keinen Gefallen mit seinen Äußerungen getan. So zu tun, als sei er nicht Bestandteil, ja Chef dieser dysfunktionalen Regierung, wird seiner Rolle nicht gerecht.

Böse ausgedrückt könnte man sagen: Derselbe Vorwurf, den Merz an die Beschäftigten richtet, trifft auch die eigene Regierung. Sie hat sich eingerichtet in den Umständen, es sich mit ihrer Reformfaulheit bequemer gemacht, als es angesichts der Lage nötig wäre. Dass Merz sein Amt riskierte, um im Konflikt mit der SPD das Land voranzubringen, lässt sich nicht behaupten.

Ein Teil der Empörung, der jetzt wieder über den Kanzler hereinbricht, ist natürlich geschauspielert. Jeder, auch Merz, weiß, dass die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sich im Beruf reinhängen, früh aufstehen und dabei noch Job und Familie unter einen Hut bringen. Aber es gibt auch ein paar, die sich in den 500 Sozialleistungen eingerichtet haben, die Vater Staat spendiert. Und es lässt sich auch nicht bestreiten, dass die Deutschen weltweit spitze nur noch bei Urlaubsansprüchen und Krankheitstagen sind, während in vergleichbaren Ländern, etwa in der Schweiz, jede Woche erheblich länger gearbeitet wird.

Wer will, dass wieder mehr gearbeitet wird, muss vor allem dafür sorgen, dass Leistung sich wieder mehr lohnt. Die gerade von der CDU-Gesundheitsministerin vorgelegten Pläne, die Beiträge für die Krankenversicherung für überdurchschnittlich verdienende Arbeitnehmer und für die Arbeitgeber deutlich zu erhöhen, macht Arbeit für die einen unattraktiver und für die anderen teurer. Im Land von Ludwig Erhard hat man solche Grundzusammenhänge der sozialen Marktwirtschaft vergessen. Das gilt besonders für die SPD, die sich jetzt sogar schon von ihrem Ex-Chef verspotten lassen muss: Ginge es nach den von den Genossen durchgesetzten Sozialleistungen, müsste, sagt Sigmar Gabriel, die SPD überall Zweidrittelmehrheiten einfahren. Finde den Fehler, liebe SPD!GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET

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