Im Jahr sterben 131.000 Menschen durch oder mit Tabakrauch. © Oppitz/KNA
Seit den Vorschlägen der Gesundheits-Kommission ist eine Erhöhung der Tabaksteuer in den Fokus gerückt. Wie sinnvoll ist dieses Vorhaben und was muss beim Thema Lungengesundheit noch alles passieren? Im Interview erklärt Prof. Dr. Kathrin Kahnert, Fachärztin für Innere Medizin und Pneumologie und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Klinikum der Ludwig Maximilians Universität München, welche politischen Stellschrauben aus ihrer Sicht gedreht werden müssen.
Frau Kahnert, wo sehen Sie den größten Präventionsbedarf?
In Deutschland vernachlässigen wir leider immer noch die Primärprävention – insbesondere die Tabakprävention, da das Rauchen für die Lunge das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko darstellt.
Welche politischen Stellschrauben müssen da noch gedreht werden?
Wir müssen dafür sorgen, dass junge Menschen gar nicht erst anfangen zu rauchen. Dann müssen wir den Menschen, die bereits rauchen – das sind etwa 50 bis 60 Prozent meiner Patienten – helfen. Rauchen ist eine der am weitesten verbreiteten Suchterkrankungen, die wir haben. Und für die Nicht-Raucher brauchen wir Schutzmaßnahmen, wie mehr Rauchverbote.
Seit dem 1. April gibt es kostenlose Lungenscreenings für starke Raucher. Für Nicht-Raucher wirkt das ungerecht.
Das Lungenkrebsscreening wurde für starke Raucher eingeführt, weil in dieser Risikopopulation in den Studien gezeigt wurde, dass das Screening sinnvoll ist. Bei Nicht-Rauchern haben wir diese positiven Daten nicht und schaden ggf. mehr, wenn Nicht-Raucher jährlichen CT-Untersuchungen ohne Anlass ausgesetzt sind.
Zur Senkung der Gesundheitskosten hat die Kommission eine Erhöhung der Tabaksteuer ins Spiel gebracht. Jetzt ist die Rede davon, damit die Senkung der Spritsteuer gegenzufinanzieren. Ist das sinnvoll?
Ich glaube, dass das Gesundheitssystem von einer Erhöhung der Tabaksteuer profitieren könnte. So hätten wir eine niedrigere Krankheitslast beim Patienten. Aus meiner Sicht sollten die Einnahmen durch eine Erhöhung der Tabaksteuer nicht für eine Senkung der Spritpreise eingesetzt werden, sondern dem Gesundheitssystem zugutekommen und es entlasten.
Ein Rauchverbot für alle ab 18 Jahren, wie Neuseeland es durchbringen wollte: radikal oder hilfreich?
Wäre es gekommen, hätten wir Daten dazu, ob es auch umsetzbar ist. Aber zum Beispiel auch England wird immer strikter. Wenn wir wirklich etwas ändern wollen, braucht es restriktivere Maßnahmen.