Iran: Keine Entspannung in Sicht

von Redaktion

Kräftemessen im Meer: US-Kräfte auf Patrouille nehmen einen Frachter unter iranischer Flagge in den Blick – die Waffenruhe wurde vorerst verlängert. © AFP

Washington/Teheran – Die von den USA verlängerte Waffenruhe im Iran-Krieg hat die Spannungen nicht entschärft. Der Iran äußerte sich bisher nicht dazu, ob er selbst die Feuerpause einhalten wird. Vielmehr zeigten sich die Revolutionsgarden äußerst skeptisch – zumal die US-Seeblockade iranischer Häfen fortgesetzt wird.

Die iranischen Streitkräfte seien auf dem „Höhepunkt der Bereitschaft“ zur Fortsetzung der Kampfhandlungen, hieß es in einer Erklärung der Elitestreitmacht. In einer neuen Phase der Eskalation könnten die Streitkräfte „vernichtende und für den Feind unvorstellbare Schläge gegen die verbleibenden Vermögenswerte“ in der Region ausführen.

Die „Verliererseite kann die Bedingungen nicht diktieren“, schrieb ein Berater des iranischen Parlamentspräsidenten Mohammed Bagher Ghalibaf. Er argwöhnte, dass Trumps Verlängerung der Waffenruhe eine List sei, „Zeit für einen Überraschungsangriff zu gewinnen“. Irans Außenminister Abbas Araghtschi hatte kurz vor Ablauf der Feuerpause erklärt: „Iranische Häfen zu blockieren, ist ein kriegerischer Akt und somit ein Verstoß gegen die Waffenruhe.“

US-Präsident Donald Trump hatte die Waffenruhe mit dem Iran überraschend in letzter Minute einseitig für verlängert erklärt. Auf Bitten Pakistans werde er von Angriffen absehen, bis die Führung im Iran einen „geeinten Vorschlag“ zur Beilegung des Krieges unterbreite, teilte er mit.

Der Iran werde die für den globalen Ölmarkt wichtige Straße von Hormus nicht freigeben, solange die US-Blockade andauere, meldete die Nachrichtenagentur Tasnim. Notfalls werde sie mit Gewalt durchbrochen, schrieb das Sprachrohr der mächtigen Revolutionsgarden.

Eine Eskalation sei jederzeit möglich, hieß es auf beiden Seiten. Ein Kommandeur der Revolutionsgarden nannte laut der Agentur Fars Ölfelder und Raffinerien in benachbarten Golfstaaten als potenzielle Ziele, falls diese den USA und Israel weiterhin erlauben würden, „ihr Territorium zu nutzen“. Das US-Regionalkommando Centcom erklärte, man bleibe einsatzbereit.

Wie angespannt die Lage ist, zeigen auch erneute Vorfälle in der Straße von Hormus. Dort haben Irans Streitkräfte nach eigenen Angaben drei Frachtschiffe angegriffen und manövrierunfähig gemacht. In einer von der Nachrichtenagentur Fars verbreiteten Nachricht hieß es zur Begründung, die Revolutionsgarden hätten ihre „regelwidrige“ Durchfahrt durch die Straße von Hormus gestoppt.

Laut Fars handelte es sich um das Containerschiff „Epaminondas“ unter der Flagge Liberias, das von den Vereinigten Arabischen Emiraten in Richtung Indien unterwegs war. Der ebenfalls angegriffene Frachter „MSC Francesca“ lag zuletzt vor der Küste Saudi-Arabiens und fährt unter der Flagge Panamas. Außerdem wurde ein Containerschiff namens „Euphoria“ attackiert, das sich iranischen Angaben zufolge in griechischem Besitz befinden soll.

Die „MSC Francesca“ und „Epaminondas“ seien beschlagnahmt und in iranische Gewässer gebracht worden, berichtete die Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf die Marine der Revolutionsgarden.

An den Ölmärkten zeichnet sich vor diesem Hintergrund keine echte Entspannung ab. Die Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni kostete vor Trumps Ankündigung erstmals seit gut einer Woche wieder über hundert Dollar pro Barrel. Anschließend gab der Preis nur etwas nach und lag zuletzt bei 99 Dollar.

Unklar bleibt vorerst, wie sich Israel verhält. Vonseiten des Büros des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu gab es zunächst keine Reaktion auf Trumps Ankündigung. Irans Erzfeind und die USA hatten den Krieg gemeinsam am 28. Februar begonnen. Ohne Verlängerung wäre die Waffenruhe laut Trump in der deutschen Nacht zum Donnerstag ausgelaufen.

Artikel 7 von 11