„Ohne uns läuft nichts“

von Redaktion

Christian Gärtner, Landeskomitee-Vorsitzender. © Bodmer

München – 75 Jahre alt und selbstbewusster denn je: Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern will den Laien eine starke Stimme geben. Das Gremium, das 5,3 Millionen getaufte Katholiken in Bayern vertritt, ist der Zusammenschluss aller in katholischen Räten, Verbänden und Vereinigungen engagierten Katholiken. Eine Woche vor den Kommunalwahlen in Bayern waren die Pfarrgemeinderatswahlen. „Fast 600.000 Menschen sind da zur Wahl gegangen. 14,3 Prozent der Katholiken“, sagt Christian Gärtner (59) stolz. Er ist seit einem Jahr Vorsitzender des Landeskomitees. „Der Pfarrgemeinderat als bewusst synodales Mitbestimmungsgremium auf Pfarrebene ist noch breit verankert.“

Zwei Drittel der fast 24.000 Pfarrgemeinderäte sind Frauen. „Ich finde das beeindruckend, wie viele Menschen sich dann doch engagieren und für wie viele Kirche vor Ort so viel Bedeutung hat“, sagt Gärtner im Gespräch mit unserer Zeitung. Um diese Power an ehrenamtlichem Engagement, „die wir auf der Fläche in Bayern noch immer haben“, auf allen Ebenen wirksam werden zu lassen, brauche es Strukturen. In Bayern gibt es daher ausgehend von den Pfarrgemeinderäten die Diözesanräte und im Freistaat einzigartig das Landeskomitee – „als Gegenüber und in Zusammenarbeit mit der Freisinger Bischofskonferenz“. Zudem sind aus jeder Diözese drei Diözesanräte im Zentralkomitee der Katholiken vertreten.

In Bayern sieht sich das Landeskomitee als katholischer Ansprechpartner für die Staatsregierung. So hat Christian Gärtner jetzt Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ermuntert, das Konkordat mit dem Heiligen Stuhl neu zu verhandeln. Dahinter steckt der Wunsch, dass das Landeskomitee für die bayerischen Katholiken endlich eine Mitsprache bei der Ernennung ihrer Bischöfe bekommen will. Derzeit schicken die Domkapitel der Bistümer Listen mit den Namen von Kandidaten an den Vatikan, der Papst ist aber laut Konkordat von 1924 völlig frei bei der Ernennung. „Es gibt den Beschluss des Synodalen Wegs, der mehr Laien-Beteiligung bei Bischofsernennungen fordert. Aber bislang stimmt das ja nicht mit dem Konkordat überein.“ Der Beschluss dürfe kein zahnloser Papiertiger bleiben. Als Staatsbürger habe er das daher an den Ministerpräsidenten adressiert, sagt Gärtner. Markus Söder hat bisher noch nicht auf die Bitte reagiert.

Gärtner sieht jetzt die Stunde der Laien gekommen: „Wir könnten noch viel mehr gestalten. Ohne uns läuft in den Pfarreien nichts.“ Am 24./25. April feiert das Landeskomitee sein 75-jähriges Bestehen mit der Frühjahrsvollversammlung in Augsburg. „Das Landeskomitee ist ein Aushängeschild der Kirche in Bayern geworden: institutionell, personell und inhaltlich“, betont der Münchner Kardinal Reinhard Marx, zum Jubiläum.CM

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