Dass die Notfallreform nun schon von der dritten Regierung in Angriff genommen wird, zeigt, dass sie eine harte Nuss ist. Alle Akteure – Kliniken, Ärzte, Pflegepersonal – befürchten, dass bei ihnen der Rotstift am stärksten angesetzt wird. Doch dieses Mal hat Ministerin Nina Warken (CDU) einen mächtigen Hebel in der Hand: den hohen Reformdruck und die kollektive Es-muss-etwas-passieren-Erkenntnis.
Wie massiv die Notfallversorgung umstrukturiert werden muss, dafür sprechen die bloßen Zahlen: Im Jahr 2024 gab es deutschlandweit 13 Millionen Behandlungen in Notfallambulanzen. 2019 waren es noch 10,9 Millionen Fälle – das ist ein Plus von über 19 Prozent. Ist das Leben seither einfach gefährlicher geworden? Wohl kaum! Vielmehr sorgen fehlendes Ernstfallbewusstsein und unzureichende Steuerung für überfüllte Notaufnahmen und frustrierte Patienten.
Deswegen ist es eine echte Entlastung, dass künftig bundesweit die Rettungsleitstellen (112) und der ärztliche Bereitschaftsdienst (116 117) besser miteinander verknüpft werden sollen und sich der Patient so einer telefonischen Ersteinschätzung unterzieht– was in Bayern übrigens schon seit zwei Jahren gängige Praxis ist. Nicht jeder 112-Anruf ist auch ein Notfall. Auch dass der Einsatz des Rettungsdiensts künftig Kassenleistung werden soll, ist für den Patienten ein Gewinn – so bleibt er nicht mehr auf den Kosten sitzen.
Kniffliger wird es bei den Integrierten Notfallzentren – in denen die Notaufnahmen zusammen mit Notdienstpraxen eine Erreichbarkeit rund um die Uhr gewährleisten sollen. Die Kliniken kritisieren aber, schon jetzt am Arbeitslimit zu sein. Klar ist: Die Reform darf auf keinen Fall dafür sorgen, dass sich etwa Kliniken auf dem Land aus der ambulanten Notfallversorgung zurückziehen. Eine lückenhafte Versorgung kann verheerende Folgen haben. Bislang sind aber erst einmal nur ausgewählte Krankenhäuser für diese Zentren im Gespräch.
Wichtig ist: Am Ende müssen die langfristigen Ziele für den gesamten Gesundheitsapparat Vorrang haben. Deshalb muss der Fokus noch stärker darauf liegen, die Klinikaufenthalte zu reduzieren und damit personelle Ressourcen freizugeben.LEONIE.HUDELMAIER@OVB.NET