Kollegen: Kretschmann und Seehofer 2016. © dpa
München – Man hört CSUler nicht oft herzlich über Grüne reden. Bei Horst Seehofer und Winfried Kretschmann ist das traditionell anders. „Der versteht sein Handwerk“, „sympathisch“, „überzeugt“ – der einstige bayerische äußert sich immer sehr wohlwollend über den scheidenden baden-württembergischen Ministerpräsidenten. Jetzt gipfelt die Sympathie in einer großen Laudatio: Am 7. Mai hält Seehofer, der sich öffentlich sonst sehr rar macht, in Berlin die Rede zu Kretschmanns Abschiedsfeier.
„Es war für mich nicht schwer, Ja zu sagen“, erklärt Seehofer auf Nachfrage. Und spricht dann viel, sehr viel von Vertrauen und Verlässlichkeit. „Die starke Eigenschaft von Kretschmann war Vertrauen – das wichtigste Kapital von Politikern. Man konnte sich immer auf ihn verlassen. Ich habe nie erlebt, dass er getrickst hat oder sich an Intrigen beteiligt hat.“ Fehlendes Vertrauen, betont Seehofer, könne man „durch noch so viele Aktionen nicht wieder wettmachen“.
Dass Seehofer, der 2018 als Ministerpräsident aufhörte, damit auch ein kleines schwarz-grünes Signal sendet, ist klar. Und kein Versehen. „Ich war immer ein Anhänger der Offenheit gegenüber demokratischen Parteien“, sagt er. „Das ist leider Gottes in den letzten Jahren beschädigt worden, obwohl in der Sache gar kein Grund dazu bestand.“ Seehofer äußert sich damit anders als der heutige CSU-Chef Markus Söder, der Schwarz-Grün ablehnt. Der 76-Jährige nennt als Beispiel allerdings nicht Bayern, sondern den Bund: „Wir sehen in Berlin, wie verhängnisvoll es sein kann, wenn man sich auf Gedeih und Verderb an einen Partner kettet.“CD