Seefuchs auf Minenjagd

von Redaktion

Mit Unterwasserdrohnen geht die Bundesmarine (r. Vizeadmiral Kaack) auf Minensuche – demnächst auch in der Straße von Hormus? © Brandt/dpa (2)

München – Friedrich Merz ist ein Freund deutlicher Worte, so war es auch vergangene Woche in Paris. „Das können wir“, sagte der Bundeskanzler, als es um die Fähigkeiten der Bundesmarine auf dem Gebiet der Minenabwehr ging. Dort ist ihr Ruf exzellent. Tatsächlich dürften deutsche Soldaten in näherer Zukunft sehr wichtig werden. Wenn irgendwann eine dauerhafte Waffenruhe herrscht, sollen sie in der Straße von Hormus dazu beitragen, den so bedeutsamen wie störungsanfälligen Seeweg zu sichern.

Es ist eine hochsensible Aufgabe und das nicht nur aus militärischer Sicht. Auch logistisch wird die Herausforderung groß. „Die Marine leistet viel mit der kleinsten Flotte aller Zeiten, die wir gerade von der Pike auf modernisieren“, sagt Vizeadmiral Jan Christian Kaack, der Inspekteur der Seestreitkräfte. Aktuell bereiten sich die Besatzungen des 3. Minensuchgeschwaders in Kiel auf einen Einsatz im Nahen Osten vor. „Die Marine, das kann ich Ihnen versichern, wird bereit sein“, sagt Kaack

Insgesamt verfügt die Bundesmarine über zehn Minenjagdboote der Frankenthal-Klasse, die in Kiel stationiert sind. Sie wurden in den 90er-Jahren in Betrieb genommen und sind spezialisiert auf die Suche und Vernichtung von Seeminen. Die Boote aus nicht-magnetischem Stahl sind über 54 Meter lang, haben 2,60 Meter Tiefgang und eine Stammbesatzung von je 42 Soldaten. Hinzu kommen bei Bedarf Taucher, je nach Bootstyp zwischen vier und zwölf.

Minen zu entschärfen – zu räumen oder per Sprengung zu vernichten –, ist nichts, was schnell geht. Die Bundesmarine setzt Unterwasserdrohnen vom Typ „Seefuchs“ ein, die sich einem Objekt mit nur zwei Knoten Geschwindigkeit nähern (3,7 km/h). Sie sind sowohl zur Bekämpfung von Minen geeignet, die auf dem Meeresgrund liegen und auf Magnetfelder, Geräusche oder Druckveränderungen im Wasser reagieren., als auch für solche, die über ein Kabel mit einem Gewicht verbunden sind (Ankertauminen). Diese schweben wenige Meter unter der Wasseroberfläche und detonieren bei Kontakt mit einem Schiff.

Drei der Boote können zusätzlich bis zu vier Überwasserdrohnen verwenden: den „Seehund“. Dabei handelt es sich um ferngesteuerte Minenräumboote, die die Schall- und Magnetfeldsignaturen großer Schiffe simulieren und damit Sprengkörper zur Detonation bringen, ohne dass Menschen oder Material zu Schaden kommen.

Schon eine geringe Zahl von Minen reicht aus, um Seewege zu blockieren. Die Straße von Hormus, die an ihrer schmalsten Stelle zwischen den Küsten von Iran und Oman nur 55 Kilometer misst, ist in dieser Hinsicht besonders empfindlich. Wie heikel die Lage ist, darüber kursieren unterschiedliche Ansichten. Das US-Verteidigungsministerium informierte den Kongress gerade erst über „mindestens 20 Minen“. Es könnten aber auch erheblich mehr sein. Insgesamt soll der Iran mehrere tausend Minen besitzen.

Die „Washington Post“ berichtete gestern, die Räumung könne sechs Monate dauern. Immer vorausgesetzt, die äußeren Umstände erlauben den Streitkräften überhaupt erst mal eine sichere Bekämpfung.

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