Söder schickt Aigner ins Rennen

von Redaktion

Wer wird Bundespräsidentin?

Das Rennen um die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist eröffnet, und das mit einem Paukenschlag: CSU-Chef Markus Söder stellt sich überraschend klar hinter seine Parteifreundin Ilse Aigner. Das ist bemerkenswert, in zweifacher Hinsicht: Erstens glich das Verhältnis der beiden CSU-Größen, die sich seit JU-Zeiten kennen, manchmal eher dem von Hund und Katz – spannungsfrei war es selten. Und zweitens hatten viele in der Partei Söder nicht zugetraut, dass er Aigner für das höchste Staatsamt vorschlägt, weil klar ist, dass, wenn eine CSU-Politikerin Bundespräsidentin wird, sein eigener Weg ins Kanzleramt verbaut ist.

Auch wenn Kanzler Merz Fehler macht, hat Söder inzwischen akzeptiert, dass er selbst nicht mehr an seine Stelle treten kann. Die Schwester CDU wird ihn nach dem Laschet-Desaster nicht mehr zum Kanzlerkandidaten ausrufen. Überdies sieht der CSU-Chef nach der teils schwierig verlaufenen Kommunalwahl Anlass, ein Aufbruchssignal in die eigene Partei und die Wählerschaft zu senden. Die 61-jährige bayerische Landtagspräsidentin gilt seit vielen Jahren als die beliebteste CSU-Politikerin. Anders ausgedrückt: Für Söder ist es besser, Aigner zu helfen, als sie zu verhindern.

Die Feldkirchenerin ist sympathisch, warmherzig und unverstellt. Sie führt zusammen und ist politisch nicht polarisierend. Das macht sie zu einer geeigneten Aspirantin fürs höchste Staatsamt. Für die Kür in der Bundesversammlung am 30. Januar schadet es nicht, auch für die SPD und Teile der Grünen wählbar zu sein. Dagegen stößt die CDU-Bundestagspräsidentin Julia Klöckner links der Mitte auf Ablehnung. Klar ist: Bundespräsidentinnen-Macher ist am Ende der Bundeskanzler. Er ist der Chef des stärksten Lagers. Und nach zehn Jahren, in denen die SPD das formal höchste Staatsamt besetzte, ist diesmal wieder die Union dran.

Mit Aigner verbindet Merz seit vielen Jahren ein freundschaftliches Verhältnis. Eine Frau soll es diesmal werden, so hat der Kanzler es gesagt. Allerdings halten sich mit Bildungsministerin Karin Prien, Ex-Kulturstaatssekretärin Monika Grütters und Annegret Kramp-Karrenbauer, der Chefin der Konrad-Adenauer-Stiftung, auch in der CDU geeignete Kandidatinnen bereit. Auch EU-Chefin Ursula von der Leyen werden Ambitionen nachgesagt. Immerhin hat Ilse Aigner eine wichtige erste Hürde genommen: Sie hat jetzt die Unterstützung Söders und damit eines der vier Parteichefs, die am Ende darüber entscheiden, wen die schwarz-rote Koalition auf den Schild hebt. Eine Bayerin im höchsten Staatsamt wäre mal was Neues.GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET

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