Irsee, das prachtvolle Barockkloster, und FW-Fraktionschef Florian Streibl. © dpa
München – Hier haben die Genossen gehofft, gerungen, sich gestritten und geeinigt: Kloster Irsee in Schwaben war lange Zeit ein großes Stück Heimat für Bayerns SPD. Jahr um Jahr ging die Fraktion hier in Klausur, stets das nahe Ende der CSU-Herrschaft beschwörend. Nun ja, erreicht wurde das Ziel nicht. Stattdessen schrumpfte die SPD Wahl um Wahl, kann sich seit einigen Jahren eine Kloster-Klausur gar nicht mehr leisten. Jetzt gibt‘s eine spektakuläre Umnutzung: Die Regierungsfraktionen ziehen ein.
Kein Scherz: Mitte Juli laden CSU und Freie Wähler ihre führenden Abgeordneten zu einer Kurzklausur hinter die dicken Klostermauern (die natürlich keiner Partei gehören, das Bildungszentrum steht jedem zahlenden Gast offen). In Irsee wollen die Fraktionschefs Klaus Holetschek (CSU) und Florian Streibl (FW) die Chemie in ihrer Koalition wieder spürbar verbessern. Das geht aus der internen Einladung hervor, die im Landtag kursiert. „Kurz nach der Halbzeit der Legislaturperiode wollen wir eine gemeinsame Bestandsaufnahme machen.“ Man überlege, wie man die verbleibenden zwei Jahre bis zur Wahl im Herbst 2028 gestalten wolle.
Eine der Leitfragen fürs Treffen: „Wie können wir noch besser zusammenarbeiten?“ Tatsächlich ruckelte es da zuletzt etwas. Im Umfeld der Kommunalwahl beschwerten sich CSU-Abgeordnete lautstark, die FW-Kollegen täten vor Ort in ihren Stimmkreisen gern so, als hätten sie mit unliebsameren Entscheidungen der Staatsregierung nix zu tun. Der Groll reicht so weit, dass führende CSU-Abgeordnete intern hinterfragten, ob sie je wieder mit einer Koalitionsaussage für die Aiwanger-Truppe in eine Wahl gehen wollen. Parteichef Markus Söder betont zumindest, man werde den Partner genau beobachten. Angeheizt wurde all das durch den Wettbewerb in der Kommunalwahl. Bei 21 von 25 Landrats-Stichwahlen siegten die Freien Wähler gegen die CSU, die das immens schmerzt.
Schafft das Kloster neue Harmonie? Die beiden Fraktionschefs persönlich kommen sehr gut miteinander aus, haben einen kurzen Draht gefunden, das gilt als eine tragende Achse des Bündnisses. Streibl sagt auf Nachfrage, er sehe zwar keinen Gesprächsbedarf in Sachen Loyalität: „Da kann jeder vor der eigenen Haustüre kehren.“ Aber das Treffen diene dazu, das Zwischenmenschliche zu stärken, betont der Oberbayer. „Eine Koalition ist so stark, wie die Brücken zwischen den Koalitionspartnern sind.“CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER