Wer nicht folgt, wird bestraft

von Redaktion

Gute Miene zum bösen Spiel: Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez (l.) und US-Präsident Donald Trump, hier im Oktober 2025, haben nicht viel füreinander übrig. © Evan Vucci/AFP

München – Was man noch ernst nehmen muss und was nicht, ist in der Ära Trump gar nicht so leicht zu durchschauen. Auch deshalb verhallten die Sätze, mit denen US-Verteidigungsminister Pete Hegseth im Dezember manchen Nato-Partnern drohte. Er sprach von „vorbildlichen Verbündeten“, die „in unserer besonderen Gunst stehen“, und jenen anderen, die „ihren Beitrag zur kollektiven Verteidigung nach wie vor nicht leisten“. Ihnen blühten Konsequenzen.

Zwar gilt die Nato ohnehin als liebster Boxsack der Trump-Regierung. Mit dem US-Angriff auf den Iran hat sich das Verhältnis aber noch mal verschlechtert. Trump nannte das Bündnis erst kürzlich „absolut nutzlos“. Im Pentagon soll inzwischen eine Liste kursieren, die die Nato-Länder in Kategorien einteilt: „brave und unartige“ Verbündete. Zwei Länder gelten in Washington offenbar als besonders unfolgsam: Spanien und Großbritannien.

Das geht zumindest aus einer internen E-Mail des Pentagon hervor, über die die Agentur Reuters am Freitag berichtete. Demnach prüft das Ministerium mehrere Optionen, um jene, die die USA bei ihrem Iran-Feldzug nicht direkt unterstützen wollen, zu bestrafen. Spanien drohe gar der Rauswurf, sagte ein US-Offizieller Reuters.

Das ist zwar gänzlich unrealistisch: Den Ausschluss einzelner Mitglieder sieht der Nato-Vertrag nicht vor; Umwege sind theoretisch denkbar, aber kompliziert, wie der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags 2018 feststellte. Eher schon könnten die USA ihren Einfluss geltend machen, um Spanien im Bündnis zu marginalisieren und von symbolträchtigen Positionen fernzuhalten. Aus Berlin und Rom kamen gleich besorgte Statements. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sagte indes, er mache sich „gar keine Sorgen“, sein Land sei ein „verlässlicher Partner“.

Trump sieht das anders. Nicht nur sperrt sich Sánchez zum Ärger des Republikaners gegen das von ihm durchgesetzte 5-Prozent-Ziel der Nato. Er stellt sich auch besonders klar gegen den Iran-Krieg und verweigert Washington die Nutzung zweier wichtiger Militär-Basen. Andere Länder wie Frankreich und Großbritannien lassen die USA nur zögerlich gewähren. In der Mail des Pentagon heißt es laut Reuters, der freie Zugang zu Stützpunkten und Überflugerlaubnisse seien „das absolute Minimum für die Nato“.

In Washington spricht man relativ offen davon, die Europäer zur Mithilfe im Krieg drängen zu wollen. Trotz allem, was die USA für die Nato getan hätten, seien die Verbündeten nicht für die USA da gewesen, sagte ein Sprecher des Pentagon. Man werde nun „sicherstellen, dass der Präsident glaubhafte Möglichkeiten hat, um zu gewährleisten, dass unsere Alliierten nicht länger ein Papiertiger sind, sondern ihren Teil beitragen“.

Neben Madrid ist vor allem auch London gemeint. Premier Keir Starmer steht dem Iran-Krieg zurückhaltend gegenüber, Trump verspottete ihn deshalb als feige, nannte britische Flugzeugträger „Spielzeuge“. Um Druck zu machen, könnte Washington seine Haltung zu den Falklandinseln überdenken, heißt es nun. Sie sind britisches Überseegebiet, werden aber von Argentinien beansprucht.

Nicht ganz klar ist, wie die US-Regierung Deutschland einschätzt – brav, unartig? Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) lobte den Iran-Krieg zu Beginn, ging dann aber deutlich auf Distanz und urteilte bald: „Das ist nicht unser Krieg.“ Der US-Präsident reagierte entsprechend empfindlich.

Der Angriff auf den Iran wird zunehmend zum Testfall für den Zusammenhalt der Nato. Dabei ist es ja nicht so, dass Europa sich völlig verweigert. Das Angebot, nach einem Friedensschluss bei der Sicherung der Straße von Hormus zu helfen, steht. Nur: In Washington wirkt das wenig besänftigend. Hegseth nannte die europäischen Beratungen über einen Marineeinsatz am Freitag „dumm“. Man wünsche sich ernsthafte Bemühungen der Partner. „Das sind noch keine.“

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