Geschafft. Die Merz-Koalition hat den Tankrabatt und die 1000-Euro-Prämie am Freitag durch den Bundestag geboxt, doch dem Kanzler dürfte ein wenig zumute sein wie einem berühmt gewordenen Fußballer, der sein Unglück mal so bejammerte: „Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu.“
Ja, die steuerfreie 1000-Euro-Prämie ist durch, doch das Volk und die Betriebe reagieren nicht ganz so beglückt wie erhofft: Die Unternehmer sind stocksauer, weil ihnen das Geld fehlt, um die Prämie an ihre Mitarbeiter auszuzahlen, die Politik aber riesige Erwartungen geschürt hat. Sogar in der Union rücken sie jetzt schon ab von ihrer Idee. Thüringens CDU-Ministerpräsident Mario Voigt will die Prämie nicht an Staatsdiener auszahlen, weil den Steuerzahlern aus der Privatwirtschaft nicht zuzumuten sei, dass sie selbst zumeist nichts bekämen, aber den Beamten das steuerfreie Extrageld mitfinanzieren müssten. Und Söders kleines Koalitionsteufelchen Hubert Aiwanger triezt den CSU-Chef, immerhin Miterfinder der Unglücksprämie, bereits mit der Forderung, Bayern dürfe diesem Unsinn im Bundesrat keinesfalls zustimmen.
Nein, über der Villa Borsig lag kein Segen, als dort vor zwei Wochen die Koalitionsspitzen zusammenkamen, um über ein Maßnahmenpaket wegen des Iran-Kriegs zu beraten. Nicht nur, dass die Teilnehmer erfuhren, dass es dort Legionellen gebe, gerieten dann auch noch der Kanzler und sein Vize Klingbeil lautstark aneinander. Tage später ließ sich der Ex-Blackrocker Merz ausgerechnet vor Gleichgesinnten aus der Banker-Szene noch zu dem schneidigen Satz hinreißen, dass die Rente allenfalls noch als Basisabsicherung tauge. Der Satz war nicht komplett falsch, aber vor dem falschen Publikum rausgehauen und gerade für 50- oder 60-jährige Bald-Rentner auch nicht gerade eine vertrauensbildende Maßnahme. Jetzt hat Merz die Seniorenunion und den Sozialflügel seiner Partei am Hals, außerdem die SPD, die Schwester CSU und selbst moderate Arbeiterführer wie den Chemie-Gewerkschaftschef.
Für die Koalition und ihren Kanzler waren das zwei Wochen zum Vergessen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich jetzt nicht noch eine andere Lebensweisheit aus der Kicker-Philosophie bewahrheitet: Schlimmer geht immer.GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET