Schüsse bei Trumps Gala-Dinner

von Redaktion

Am Boden: Der Verdächtige wird überwältigt. © AFP

Mit gezückten Waffen sichern US-Beamte den Flur vor dem Ballsaal. © Brenner/dpa

In Sekundenschnelle eskortieren Sicherheitsleute Trump aus dem Saal. © Schiefelbein/dpa

Washington/München – Das Dinner hat eben erst begonnen, die Gäste in schicker Abendgarderobe lassen sich gerade ihre Vorspeise schmecken. Burrata mit jungen Erbsen, Brot, Rotwein. Es ist das traditionsreiche White House Correspondents‘ Dinner mit Washingtons wichtigsten Politikern und Journalisten. Doch dann bricht ein Tumult aus. „Runter, runter!“ ruft jemand. Hektisch rennen Menschen umher, sichtlich geschockt. Geschirr geht zu Bruch, Rotweingläser fallen um. Und dann wird es ganz still. Minutenlang verharren die Gäste auf dem Boden, ducken sich unter die Tische.

Als sie sich wieder aufrichten, ist der Ehrentisch, an dem kurz zuvor unter anderem US-Präsident Donald Trump und seine Ehefrau Melania, Vizepräsident JD Vance und Regierungssprecherin Karoline Leavitt Platz genommen hatten, bereits leer. Hektisch wurden die Wichtigen vom Secret Service aus dem Saal eskortiert. Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte stehen stattdessen im Raum. Die Rede ist von einem Schusswaffenvorfall. Anwesende sprechen von Knallgeräuschen. Doch was ist genau passiert?

Nach bisherigen Erkenntnissen stürmte ein schwer bewaffneter Mann um halb neun am Abend durch eine Zugangsschleuse im Hilton Hotel und lieferte sich einen Schusswechsel mit Beamten des Secret Service. Ein Video in den Sozialen Medien zeigt den mutmaßlichen Täter, wie er im Vollsprint an den Beamten vorbeirennt, ehe diese das Feuer eröffnen. Er war offenbar selbst Gast im Hilton Hotel und mit einer Schrotflinte, Handfeuerwaffe und mehreren Messern bewaffnet.

Der Angreifer wird festgenommen, ohne von Kugeln getroffen worden zu sein. Ein Foto, wie er am Boden liegt, geht um die Welt. US-Justizminister Todd Blanche sagt, nach ersten Erkenntnissen habe der Mann „Mitglieder der Regierung im Visier“ gehabt. Er sei ein Feigling, der versucht habe, eine „nationale Tragödie“ herbeizuführen, erklärt Matthew Quinn, Vize-Direktor des Secret Service. Laut Trump kommt der Mann aus Kalifornien. Und sei „ein sehr kranker Mensch“. US-Medien zufolge soll es sich um Cole Tomas Allen (31) handeln, der als Lehrer gearbeitet haben soll und 2024 sogar Lehrer des Monats war. Die Sicherheitsbehörden gehen nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt. Danach gefragt, ob er einen Zusammenhang mit dem Iran-Krieg sehe, sagte Trump: „Ich glaube es nicht. Aber man kann es nie wissen.“

Es hagelte Kritik wegen der laschen Sicherheitsvorkehrungen für diese hochkarätige Veranstaltung – trotzdem konnten die Sicherheitskräfte Schlimmeres verhindern. Ein Beamter wurde von einer Kugel getroffen, dank seiner Schutzweste nicht schwerer verletzt. Trump erklärt später, im neuen Ballsaal, dessen Bau nach dem Abriss des historischen Ostflügels des Weißen Hauses zwischenzeitlich gestoppt wurde, wäre das nicht passiert.

Noch an dem Abend wird angekündigt, dass das Gala-Programm gleich weitergehen soll, auch Trump fordert dies in einem Post direkt nach dem Angriff. Doch dazu kommt es nicht. Stattdessen kündigt Trump eine Pressekonferenz an. 30 Minuten später kommen er und mehrere Kabinettsmitglieder mit vielen der anwesenden Journalisten im Briefing-Raum des Weißen Hauses zusammen – alle noch in Abendgarderobe.

Unter dem Eindruck des Geschehens tritt Trump dann sichtlich gezeichnet vor die Presse. „Angesichts der Ereignisse dieses Abends rufe ich alle Amerikaner dazu auf, sich von Herzen dafür einzusetzen, unsere Differenzen friedlich beizulegen“, sagt er. „Wir müssen… wir müssen unsere Differenzen beilegen.“(MIT DPA)

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