Um Aiwanger zu ärgern

von Redaktion

Bayerns Koalitionsfrage

Sie sind Partner. Freunde eher nicht. Wie lange man sich eigentlich noch an die Freien Wähler binden wolle, heißt es mürrisch aus Teilen der CSU. Vor allem unter genervten Abgeordneten reift die Idee, ohne Koalitionsaussage in die Wahl 2028 zu ziehen. Das klingt verlockend, weil es Hubert Aiwanger und seine Abgeordneten gleichzeitig ärgern und disziplinieren soll. Die Freien Wähler haben ohne CSU nämlich keine Machtoption. Einmal durften sie davon träumen, 2013 in einem quietschbunten Bündnis mit SPD-Kandidat Christian Ude und den Grünen, aber heute wäre das demoskopisch noch irrealer als damals.

Trotzdem sind die CSU-Gedankenspiele hoch riskant. In der Folge würden landauf, landab FW-Kandidaten 2028 für sich werben mit dem Argument, nur sie könnten Schwarz-Grün verhindern. Nicht ganz Bayern hat ein so belastetes Verhältnis zu den Grünen wie CSU-Chef Söder; aber ganz Bayern ist, da hat er Recht, in Summe mit 60, 65 Prozent bürgerlich-konservativ, ein seit Jahrzehnten stabiler Wert. Die FW-Taktik könnte zünden. Und andere Optionen hat die CSU ja nicht, die AfD ist tabu, die SPD bald viel zu klein und die FDP schlicht weg.

Die Partner-Debatte in der CSU wird deshalb erst mal zu nichts führen. Sie ist eher ein Symptom für die stark gewachsene Unruhe in der Partei, gerade nach der bitteren Kommunalwahl. Aiwanger ist im Landtag der Parteichef, der das am gelassensten sehen kann.

Artikel 1 von 11