Das wirre Manifest des Attentäters

von Redaktion

In diesem Haus in der Nähe von Los Angeles lebte der 31-jährige Verdächtige Cole Tomas Allen. Sein Vorgehen gibt viele Rätsel auf. © Patrick T. Fallon/AFP

Washington – Der Mann, der das traditionelle Korrespondenten-Dinner in Washington überfallen hat, ist ein 31-jähriger Maschinenbau-Ingenieur ohne Vorstrafen. Cole Tomas Allen lebte in Torrance nahe der Westküstenmetropole Los Angeles. Er hinterließ in seinem Hotelzimmer ein wirres Manifest, in dem er seine Tat begründete. Unterschrieben ist das Manifest mit „freundlicher Bundes-Attentäter“.

Unklar bleibt das genaue Motiv des Täters. Der amtierende Justizminister sagte, der Schütze hatte es auf Regierungsmitglieder abgesehen. Demnach schrieb der Angreifer in seinem gut 1000 Worte langen Schriftstück: „Regierungsvertreter (mit Ausnahme von Herrn Patel): Sie sind Ziele, priorisiert vom ranghöchsten bis zum rangniedrigsten.“ Mit „Herrn Patel“ ist wohl FBI-Direktor Kash Patel gemeint – warum dieser ausdrücklich ausgenommen werde, gehe aus dem Manifest jedoch nicht hervor.

US-Präsident Donald Trump wird im Dokument an keiner Stelle namentlich erwähnt. Aber in dem Manifest ist von im Iran-Krieg getöteten Zivilisten, dem Vorgehen der Trump-Regierung gegen Migranten und dem Skandal um den verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein die Rede. Laut „New York Times“ schrieb der Angreifer, er sei nicht länger bereit, zuzulassen, dass „ein Verräter“ seine Hände mit Verbrechen beflecke. Mitarbeiter des Secret Service seien „nur dann Ziele, wenn es unbedingt notwendig sei“. Gäste und Angestellte des Hotels seien „überhaupt keine Ziele“. Das Bekennerschreiben enthält zudem christliche Bezüge, hieß es. Der Attentäter erklärte, er rechne mit Kritik, seine Tat sei nicht mit christlichen Lehren vereinbar.

Der Schütze äußerte in dem Manifest zudem seine Verwunderung über die lockeren Sicherheitsstandards bei dem Dinner im Hilton Hotel. Tatsächlich ist inzwischen eine Debatte um die laxen Vorkehrungen entbrannt. Wie die „Washington Post“ berichtete, stufte die Regierung das Event nicht mit der Sicherheitsstufe ein, die für ähnliche Versammlungen hochrangiger Amtsträger üblich ist. Der einflussreiche republikanische Senator Chuck Grassley setzte eine Anhörung an, um sich vom Secret Service über das Sicherheitskonzept informieren zu lassen.

In seinem Linkedin-Profil gibt Allen an, Ingenieur mit einer Leidenschaft für die Entwicklung von Onlinespielen zu sein und im Großraum Los Angeles zu leben. Sich selbst beschreibt er darin mit den Worten: „Von der Ausbildung her Maschinenbauingenieur und Informatiker, von der Erfahrung her unabhängiger Spieleentwickler, zum Lehrer geboren.“ Dem Eintrag zufolge war Allen zudem als Teilzeitlehrer bei einem auf Prüfungsvorbereitungen spezialisierten Nachhilfeinstitut tätig. Laut einem Beitrag auf Instagram wählte die Firma ihn im Dezember 2024 zum „Lehrer des Monats“.

Nach Informationen des Senders NBC News besuchte Allen früher die Pacific Lutheran High School in einem Vorort von Los Angeles und war Mitglied des Volleyballteams. Ein ehemaliger Teamkollege beschreibt ihn als „äußerst ausgeglichen“ und „fast schon ein Genie“. Ihm sei das Lernen „einfach zugefallen“, sagte er NBC News. Allen sei „wirklich sehr, sehr intelligent“. Als Wähler war Allen laut der „Los Angeles Times“ ohne Parteizugehörigkeit registriert. Gestern wurde der Attentäter einem Bundesrichter vorgeführt.

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