Im Kongress: König Charles und Königin Camilla. © AFP
Im Gespräch: Ehepaar Trump mit dem Königspaar. © AFP
Applaus vom König: US-Präsident Trump (l.) freut sich über den Besuch – für König Charles ist es ein Drahtseilakt. © AFP
Washington – In einer mit Spannung erwarteten Rede vor dem US-Kongress hat König Charles III. die Fähigkeit der USA und Großbritanniens beschworen, Differenzen zu überwinden. „Immer und immer wieder haben unsere beiden Länder Wege gefunden, wieder zusammenzufinden“, sagte er. Dispute hätten die gemeinsame Geschichte zwar geprägt. Beide Länder seien jedoch „instinktiv gleichgesinnt“.
Seine Rede nutzte der Monarch auch, um US-Präsident Donald Trump zumindest indirekt etwas entgegenzusetzen. Dabei wies er auf die Gefahr des Klimawandels hin, den der Republikaner immer wieder praktisch geleugnet hatte. Ohne Trumps Namen zu nennen, betonte der Monarch auch die Bedeutung der Nato und der Verteidigung der Ukraine.
Für Charles gilt der Staatsbesuch als diplomatischer Drahtseilakt: Trump ist zwar großer Fan der britischen Royals, gilt aber als unberechenbar. Insbesondere auf Premierminister Keir Starmer war Trump zuletzt nicht gut zu sprechen. Wegen der aus seiner Sicht fehlenden Unterstützung im Iran-Krieg griff Trump den Premier mehrfach verbal an.
Charles war folglich bemüht, die Wogen zu glätten – etwa bei Militärausgaben. Das Vereinigte Königreich sei sich darüber im Klaren, dass die Bedrohungen von heute neue Antworten erforderten. „Deshalb hat sich unser Land, um für die Zukunft gerüstet zu sein, zur größten nachhaltigen Aufstockung der Verteidigungsausgaben seit dem Kalten Krieg verpflichtet.“
Charles ist erst der zweite Monarch nach seiner Mutter Queen Elizabeth II., der zum US-Kongress spricht. Ähnlich wie sie erntete er bereits vor seiner Rede andauernden Applaus. Er sprach zwar vom Konflikt im Mittleren Osten, nahm jedoch keinen direkten Bezug auf den Krieg im Iran, der das Verhältnis zwischen London und Washington zuletzt belastete. Der König nutzte die Chance, um zu einer entschlossenen Verteidigung der Ukraine aufzurufen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hätten die Verbündeten zu den USA gestanden. Heute sei „dieselbe unerschütterliche Entschlossenheit erforderlich, um die Ukraine und ihr mutiges Volk zu verteidigen“.
Vor der Rede hatte Trump das Königspaar bei einer Militärparade im Garten des Weißen Hauses empfangen. Während vier F-35-Kampfjets über den Himmel zogen, sprach Trump über die außergewöhnliche Allianz beider Länder. „In den Jahrhunderten seit unserer Unabhängigkeit gab es für die Amerikaner keine engeren Freunde als die Briten“, sagte er. Dabei ging er auch auf die persönliche Verbindung zum britischen Königshaus ein. Seine Mutter, gebürtige Schottin, habe royale Events mit Queen Elizabeth II. stets gebannt am Fernseher verfolgt, erinnerte sich der US-Präsident. „Meine Mutter war verliebt in Charles.“
Brisant ist Charles‘ Besuch in Washington auch wegen der Causa Jeffrey Epstein: Forderungen nach einem Treffen mit Opfern des verstorbenen Multimillionärs (oder deren Angehörigen) hatte der Palast vor dem Besuch zurückgewiesen. Charles‘ jüngerer Bruder, Ex-Prinz Andrew, war viele Jahre mit Epstein befreundet.
Wie Elizabeth II. sorgte Charles in seiner Rede immer wieder für laute Lacher im Saal. Mit einem Zitat von Oscar Wilde sorgte er für heitere Stimmung: „Wir haben heutzutage wirklich alles mit Amerika gemeinsam, außer natürlich der Sprache.“