INTERVIEW

Das Rätsel um die angeblichen Minen in Hormus

von Redaktion

„Die Iraner haben das clever gemacht“: Ein Experte über die Gefahr an der Meerenge

Ist die Meerenge vor Hormus wirklich vermint? Und warum kommen bisher alle Schiffe unbeschadet durch? Fragen an Johannes Peters. Er ist Abteilungsleiter für Maritime Strategie und Sicherheit am Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel.

Wie schätzen Sie als maritimer Sicherheitsexperte die Gefahr von Seeminen in der Straße von Hormus ein?

Wir wissen nicht genau, ob es Seeminen gibt. Wir kennen nur die Warnung des Iran für ein Gebiet, dass dort höchstwahrscheinlich dezentral Seeminen ausgebracht wurden. Diese seien auch nicht von der Marine, sondern dezidiert von Kommandoeinheiten der Revolutionsgarden ausgebracht worden. Deswegen könne man nicht mehr genau nachvollziehen, wo dort die Minen lägen. Dieses Gebiet, vor dem gewarnt wird, blockiert klassischerweise die Straße von Hormus. Den Korridor drumherum definiert der Iran als Weg, der momentan oder künftig unter der Kontrolle des Iran zu nutzen sei.

Gefährdet der Iran damit nicht auch seine eigene Schifffahrt?

Nein, denn die Minen sind ortsfest und verankert. Die treiben nicht durch die Gegend.

Wie kommt es dann, dass Kreuzfahrt- und Frachtschiffe, zuletzt von Hapag Lloyd, unbeschadet passieren konnten?

Ob sich Hapag Lloyd an die Vorgaben der Iraner gehalten hat, wissen wir nicht. Ebenso wenig wissen wir, ob die Iraner von einer Gebühr abgerückt sind. Es ist nicht auszuschließen, dass die Kreuzfahrt-Reedereien über Mittelsmänner Millionen an den Iran bezahlt haben. Das ist für die Reedereien bei ihrem Umsatz nicht so viel Geld. Aber sicher ist wohl, dass die Schiffe nur in dem Korridor passieren konnten, den der Iran freigegeben hat.

Aus Sicherheitsgründen wollen die Unternehmen über ihre Durchfahrt keine Auskunft geben. Nur eine Drohgebärde der Iraner?

Die Iraner haben sich ja alle Optionen offengelassen. Die haben das clever gemacht, dass da höchstwahrscheinlich Minen von Kommandoeinheiten ausgebracht wurden und man nun nicht genau wisse, ob überhaupt und wo sie liegen. Wenn nach Friedensverhandlungen festgestellt werde, dass da überhaupt keine Seeminen sind, können die Iraner sagen, das ist ja super, dass da keine sind. Und wenn wirklich Seeminen auch durch die Deutsche Marine gefunden werden sollten, dann haben sich die Iraner alle Möglichkeiten offengehalten. Daher wird niemand das Risiko einer Durchfahrt eingehen.

Ist der Einsatz der Deutschen Marine zur Minenräumung sinnvoll, ist sie überhaupt in der Lage?

Wenige Nationen wie Deutschland können so gut Minen suchen. In diesem Bereich haben wir sicher eine herausragende Expertise. Man wird sicher nach Friedensverhandlungen nicht gleich das ganze Gebiet absuchen, sondern da anfangen, wo der Iran selbst höchstwahrscheinlich die Minen vermutet.

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