Der hat Friedrich Merz noch gefehlt in seiner Sammlung: Seit dieser Woche ist auch noch Donald Trump wütend auf den Bundeskanzler, und das nicht zu Unrecht. So über die „Demütigung“ Amerikas im Iran abzulästern, wie Merz es vor Schülern (!) getan hat, ist maximal ungeschickt und verdoppelt den Schaden, den bereits das Berliner „Nicht unser Krieg“-Gerede verursacht hat. Der Kanzler richtet damit auch in der Außenpolitik, in der er bisher punkten konnte, völlig unnötig einen Scherbenhaufen an. Noch immer sind die Europäer ohne die USA in der Ukraine chancenlos. Trumps giftiger Konter – „kein Wunder, dass es Deutschland so schlecht geht“ – trifft den verhinderten Reformer Merz zudem an seiner empfindlichsten Stelle.
War es der Versuch, auf der Welle der Trump-kritischen Stimmung zu surfen, um von innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken? Oder war‘s die unwiderstehliche Anziehungskraft des nächsten Fettnapfs, der der Kanzler mit seiner Schwäche für starke Sprüche nicht widerstehen konnte? So oder so: Nach dem Fauxpas mit der Rente, die er ausgerechnet vor schnieken Bankern in Grund und Boden redete, hat sich der Regierungschef den nächsten kapitalen Fehler geleistet. Dabei steht noch nicht mal fest, ob seine Analyse zutrifft. Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen bewertet den Irankrieg völlig anders. Er sieht Iran vor dem Zusammenbruch, weil dessen Ölfelder wegen der US-Sperrung der Straße von Hormus und des Förderstopps durch einsickerndes Wasser vor der Zerstörung stehen.
In nur einem Jahr ist Merz vom Hoffnungsträger zum Unglücksraben der Nation geworden, über den man sich in der eigenen Partei die Haare rauft. Fünf Punkte liegen CDU und CSU bereits hinter der AfD. Er habe das „richtige Koordinatensystem“, heißt es intern entschuldigend – aber was nützt das, wenn er das Handwerk der Macht nicht beherrscht? Bei seiner Vorvorgängerin, die ihm gemeinsam mit der SPD den Berg von Problemen hinterlassen hat, war es gerade umgekehrt.
Schon wird in Berlin getuschelt, dass Merz die Vertrauensfrage stellen muss, um wenigstens die Minireformen durchs Parlament zu bringen und meuternde Parteifreunde zu disziplinieren. Mehr muss nicht gesagt werden, um zu ahnen, wie es um die Autorität des Kanzlers steht.