Ein königlicher Balanceakt

von Redaktion

Glanzvorstellung: Charles III. schenkt Donald Trump eine goldene Glocke aus einem britischen U-Boot – ganz nach dessen Geschmack. © Nicholls/AFP

Washington – Der britische König weiß genau, was sich gehört. Deshalb schenkt Charles III. dem amerikanischen Präsidenten am Dienstagabend beim Staatsbankett ganz bewusst eine goldene Glocke. Trump dürfte sie nicht nur gefallen, weil sie gold ist und glänzt. Sondern auch, weil sein Name in Großbuchstaben daraufsteht. Sie stammt aus einem 1944 gebauten britischen U-Boot, das zufällig genauso heißt.

Auch für einen König ist diese viertägige Reise ein Balanceakt, gerade der Beginn, wo Washington auf dem Programm steht. Er ist oft nicht einer Meinung mit Trump und möchte mit seinen Gesten und Worten eine Botschaft senden, ohne dabei den amerikanischen Präsidenten zu verärgern. Geschickt spannt Charles mit der Glocke den Bogen in die Gegenwart. Sie solle an die Freiheit und den Konflikt in der Ukraine erinnern. Damit macht er ganz nebenbei die Bedeutung der USA in dem Konflikt deutlich.

Stunden zuvor, bei seiner Rede im Kongress, gelingt ihm dieser Spagat bereits meisterhaft. Der sanfte Charles schafft es mit einer eleganten Art, dem US-Präsidenten und seinen Republikanern den Spiegel vorzuhalten. Er beschwört all das, was unter den Republikanern nicht mehr zu zählen scheint: Freiheit, Demokratie, Solidarität. Ihre Schicksale hätten die beiden Länder „über Jahrhunderte miteinander verbunden“. Gerade in einer „Zeit der Ungewissheit und Konflikte“ sei ein Zusammenhalt noch wichtiger.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. In Zeiten von Trump scheint das Konstrukt aber immer fragiler zu sein. Charles erinnert daran, dass kein Land die heutigen Konflikte allein lösen könne. Er spricht es nicht aus, aber es wirkt wie eine Anspielung auf den Iran-Krieg, den Trump ohne Rücksprache mit den Partnern begonnen hat. Ohne diese wäre dieser Konflikt aber erst recht nicht zu beenden.

Ein gekrönter König, bei dem jede Geste eine Bedeutung hat, kritisiert geschickt einen Präsidenten, der sich selbst als König inszeniert. Der besonnene Charles führt lockere Anekdoten an, die jeder Zuhörer auf Trump beziehen kann. So spricht er über ein traditionelles Ritual im britischen Parlament. Wann immer er dort spreche, werde ein Abgeordneter in den Buckingham Palace beordert, praktisch als Geisel. Er erzählt das ausgerechnet an jenem Ort, an dem vor fünf Jahren Trump-Anhänger einfielen.

Und Trump? Lächelt und lobt Charles. Er habe eine großartige Rede gehalten. Aber ob er wirklich zugehört hat? Der Gast hat seine Rede noch nicht einmal beendet, da lädt Trump auf seiner Plattform Truth Social ein Foto mit Charles hoch und schreibt in Großbuchstaben: „TWO KINGS“. Zwei Könige.MARIE-THERES WANDINGER

Artikel 5 von 11