Mehr Zeit hat Kretschmann nun auch für seine Frau. © dpa
Stuttgart – Promis, Ballett und viele warme Worte: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat sich mit einem Festakt von politischen Weggefährten aus vielen Jahrzehnten parlamentarischer Arbeit verabschiedet. Zur Zeremonie ins Neue Schloss in Stuttgart kamen zahlreiche prominente Gäste, die Kretschmann in den 15 Jahren seiner Amtszeit begleitet haben, darunter Altbundespräsident Joachim Gauck.
Zudem waren ehemalige Ministerpräsidenten erschienen, Ex-Freiburg-Trainer Christian Streich, der Unternehmer Wolfgang Grupp. Auch viele Grünen-Politiker der ersten Stunde zeigten sich – zudem Cem Özdemir (Grüne) und Manuel Hagel (CDU), die eine Neuauflage der grün-schwarzen Koalition verhandeln.
Kretschmanns langjähriger Vize, Innenminister Thomas Strobl (CDU), bezeichnete Kretschmanns Abschied als historisch. Es gehe eine Ära zu Ende. Kein anderer sei in Baden-Württemberg so lange Regierungschef gewesen. „Das ist historisch“.
„Freilich hat das Gründe, das ist ja kein Zufall, das passiert ja nicht einfach mal so“, sagte Strobl. Er habe schon im Jahr 2011 in seiner Partei gemahnt, dass die Wahl Kretschmanns nicht als skurriler Einfall der Geschichte abgetan werden dürfe. Wer Winfried Kretschmann kannte, der habe gewusst: „Kretschmann kam ins Amt, um zu bleiben“, so Strobl. Schnell sei es Kretschmann gelungen, den Menschen im Land zu vermitteln, dass er ein aufrichtiger und ehrlicher Schaffer sei. „Winfried Kretschmann war in seiner Amtszeit das, was man sich unter einem Landesvater vorstellt.“ Kretschmann sei ein Unikat, eine Type.
Altbundespräsident Joachim Gauck nannte Kretschmanns Wahl zum Ministerpräsidenten „kulturprägend“. „Ein Mensch, der sich selbst als wertkonservativ verstand, übernahm die Führung eines Landes, dessen politische Traditionen ihm rein äußerlich betrachtet nicht hätten ferner liegen können“, sagte Gauck.
Kretschmann habe einen Stil mitgebracht, der das Zuhören, das Vertrauen und die Bürgerbeteiligung als Regierungsinstrument verstanden habe. Ein konservativ geprägtes Land habe einen grünen Ministerpräsidenten angenommen, „weil es in Ihnen einen guten Menschen erkannte, der zusammenführte“, sagte Gauck.
Kretschmann habe das Land und das Leben von vielen verändert wie wenige vor ihm, sagte Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne). „Es werden unzählige Menschen deine Art, Politik zu machen, im Gedächtnis haben. Sie wird Maßstab bleiben für lange Zeit.“
Kretschmann zeigte sich gerührt nach den Abschiedsreden. Seine freche Ansage, er gehe ohne Wehmut aus dem Amt, könne er nun nicht mehr so ohne Weiteres aufrecht erhalten.