Jetzt kommen die Herausforderungen

von Redaktion

Krauses Amtszeit als OB beginnt

Am Montag können wir einen Einschnitt in der Geschichte Münchens mitverfolgen. Dann wird Dominik Krause (35) im Rathaus offiziell das Büro des Oberbürgermeisters beziehen. Als erster Grüner überhaupt.

Im Amt ist Krause bereits seit Freitag, seit dem 1. Mai, die Geschäfte führt er tatsächlich aber schon seit März – in Vertretung seines OB-Vorgängers Dieter Reiter (SPD), der in der Wahl gegen den jungen Grünen verloren hatte.

Krause hatte sich nicht nur deshalb durchgesetzt, weil Debatten über Reiters Nebentätigkeit beim FC Bayern hochgekocht waren – sondern auch mit dem Versprechen, einen Neuanfang für München zu machen. Kein „Weiter so“, kein „Passt schon“.

Viele, die die Münchner Rathaus-Politik eng beobachten, kamen in den vergangenen Wochen zu der Einsicht: Krause hat seine erste Bewährungsprobe bestanden, nämlich die Koalitionsverhandlungen für sein künftiges Regierungsbündnis. Er ließ sich nicht unter Druck setzen und entschied sich in einem transparenten Prozess für eine Münchner Ampel (also ein Bündnis der Grünen mit SPD und FDP/FW).

Klar ist aber auch: Die Zeit der großen Herausforderungen kommt erst noch, sie beginnt genau jetzt. Jetzt müssen Krause und seine Mannschaft beweisen, dass sie Ideen zu Wirklichkeit machen können und Versprechen zu Vertrauen.

In der Stadtkasse ist nicht viel Geld, aber Krause hat im Wahlkampf versprochen, dass in München zehntausende neuer Wohnungen entstehen werden. Dass er die Stadt klimafreundlicher machen will, ist für einen Grünen Kernbotschaft. Gleichzeitig muss er aber dafür sorgen, dass normale Bürger, die sich kein neues E-Auto leisten können, noch in die Stadt kommen – und er muss die Frage beantworten, wie Geschäftsleute überleben sollen, wenn‘s vor ihren Läden keine Parkplätze mehr gibt. Aufgaben wie diese stellen sich reihenweise, der OB muss sie lösen. Das alles unter strenger Beobachtung der CSU, die für die nächsten sechs Jahre schon harte Opposition angekündigt hat.

Krause, der studierte Physiker, gilt als messerscharfer, klarer und schneller Analytiker, der Themen exakt durchdenkt. In seiner neuen Aufgabe als OB wird es nun zusätzlich darauf ankommen, dass er nach diesem Durchdenken auch mutig und zügig entscheidet. Denn der oberste Chef hat naturgemäß niemanden mehr über sich, der die Entscheidung trifft, wenn‘s kein anderer tut. Man denke zurück an Reiter, der am ersten Tag nach seiner Rückkehr ins Büro nach Krankschreibung die Eisbachwelle wiedereröffnete.

Aus einer anderen Perspektive gesehen: Krause hat natürlich doch jemanden über sich, nämlich ziemlich genau 1,6 Millionen Münchner. Als Oberbürgermeister ist er ihr oberster Diener, ihrem Wohl muss seine Arbeit gelten. Bei seinen Entscheidungen wird Krause deshalb nicht vor allem überlegen müssen, ob etwas neu ist – sondern vor allem, ob etwas gut ist. Er wird daran gemessen werden.ULRICH.HEICHELE@OVB.NET

Artikel 11 von 11